In Beuys Wohnzimmer

In Beuys Wohnzimmer
Düsseldorf-Oberkassel, 9. Juni 2026

In diesen Räumlichkeiten wohnte Joseph Beuys mit seiner Familie von 1962 bis 1986

Ich wollte die Brunhilde-Moll-Stiftung in Düsseldorf Oberkassel besuchen und fand mich unversehens im ehemaligen Wohnzimmer von Joseph Beuys wieder. Denn das geschichtsträchtige Atelierhaus am Drakeplaz 4, in dem die Stiftung seit 2004 logiert, war im 20. Jahrhundert ein wichtiger Treffpunkt der Düsseldorfer Kunstszene.

Von 1962 bis zu seinem Tod 1986 lebte und arbeitete Joseph Beuys mit seiner Familie in diesem Haus. Bis zu seinen Studenten in der Kunstakademie Düsseldorf waren es von dort gerade einmal 2.000 Meter.

Es gibt aus dieser Zeit ein berühmtes Foto, das Beuys mit Frau und Kindern beim Fernsehen zeigt, just in jenen beiden Zimmern, die die Moll-Stiftung nun als Ausstellungsräume nutzt.

Die aktuelle Ausstellung verbindet Arbeiten von Evelyn Möcking und Daniel Nehrings an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Während Evelyn Möcking ihr Wissen aus der naturwissenschaftlichen Präparation in eine künstlerische Praxis überführt, die Materialkenntnis und forschende Neugierde verbindet, arbeitet Daniel Nehring mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Methoden und (digitalen) bildgebenden Verfahren.

Die Gemeinsamkeiten der beiden Düsseldorfer Künstler wurzeln in einer geteilten Grundhaltung: Kunst als offener, interdisziplinärer Denkraum, in dem Wissen sichtbar, befragbar und neu erfahrbar wird. Bei Möcking sind dies Arbeiten mit buntem Plexiglas und historischen wissenschaftlichen Apparaturen, bei Nehring digitale Gemälde und Videoprojektionen.

Ich weiß gar nicht, ob ich den ausgestellten Arbeiten bei meinem Besuch die angemessene Aufmerksamkeit geschenkt habe, denn ich war doch einigermaßen ergriffen davon, im ehemaligen Wohnzimmer von Joseph Beuys zu stehen. So kann es manchmal gehen …

( Michael Tischer )

Höhenfelder See & Tierpark Dünnwald

Höhenfelder See & Tierpark Dünnwald
Köln-Dellbrück, 8. Juni 2026

Blick auf den Höhenfelder See am frühen Morgen

Ich freue mich immer, wenn ich im Umkreis von 100 km noch Wandergebiete erkunden kann, die mir bislang unbekannt waren. Heute war ich erstmals im Dreieck zwischen Leverkusen, Bergisch Gladbach und Köln-Dellbrück unterwegs.

Die Wanderung startet am Bahnhof von Dellbrück und führt nach wenigen hundert Metern in die Dellbrücker Heide. Sie ist Teil der Bergischen Heideterrasse, die heute zu den artenreichsten Naturräumen Nordrhein-Westfalens zählt. Bis 1993 wurde das Heidegebiet von belgischen Streitkräften militärisch genutzt, seit 2009 steht es unter Naturschutz.

Angrenzend an die Heidefläche führt mich die Tour um den Westrand des Höhenfelder Sees, einem rund 20 Hektar großen Baggersee einer ehemaligen Kiesgrube. Da ich am frühen Morgen unterwegs bin, ist um diese Uhrzeit am See noch nicht viel los, nur ein paar Fische springen auf der Jagd nach Insekten fröhlich aus dem Wasser.

Dahinter geht es in das große Waldgebiet zwischen Dellbrück, Dünnwald und Bergisch Gladbach. Dort ist auch der Wildpark Dünnwald angesiedelt, in dem u.a. Wisente leben. Die stehen auf ihren umzäunten Flächen allerdings gerade ziemlich lustlos in der Gegend herum. Ist wahrscheinlich noch zu früh für Action 🙂

Es folgt eine längere Passage durch den Wald, der um diese Uhrzeit noch ganz von Vogelgezwitscher erfüllt ist. Es geht durch das NSG Diepschrather Wald bis zur Paffrather Mühle am Westrand von Bergisch Gladbach.  Von dort sind es nur noch knapp 3 Kilometer zurück bis zum Bahnhof von Dellbrück, den ich nach 13 Wanderkilometern und rund zweieinhalb Stunden wieder erreiche. Eine feine Tour durch den „Open Space“ zwischen drei Großstädten.

( Michael Tischer )

So ein süßer Bauerngarten

So ein süßer Bauerngarten
Köln-Dellbrück, 8. Juni 2026

Der historische Thurner Hof in Köln-Dellbrück. Im Vordergrund der von der VHS betriebene Bauerngarten

Eigentlich wollte ich mir nach meiner Wanderung nördlich von Köln-Dellbrück noch das Straßenbahnmuseum der Stadt Köln anschauen, das in Delbrück seinen Sitz hat. Doch das hat heute gar nicht geöffnet.

Dafür entdecke ich einen prächtigen Bauerngarten am historischen Thurner Hof, der von der VHS Dellbrück gepflegt wird. Jetzt im Juni blühen dort wahnsinnig viel Wildblumen und die Wildkräuter schießen in die Höhe. Überall summen die Bienen.

Ein ganz bezaubernder Ort, der mich daran erinnert, dass ich doch auch einmal einen Teil unseres Gartens in einen Bauerngarten verwandeln wollte. Na, kommt vielleicht noch eines Tages.

( Michael Tischer )

Silke Leverkühne im Maxhaus

Silke Leverkühne im Maxhaus
Düsseldorf, 7. Juni 2026

Silke Leverkühne (*1953) ist eine Malerin aus Düsseldorf, frühere Meisterschülerin von Alfonso Hüppi an der hiesigen Kunstakademie und bis 2020 selbst Professorin am Institut für Kunst und Kunsttheorie der Universität zu Köln.

Unter dem schönen Titel „Farbe trägt Licht“ präsentiert das Maxhaus in Düsseldorf derzeit knapp zwei Dutzend ausgewählte Werke von ihr, die häufig Alltagsszenen und Naturmotive zeigen, aber auch architektonische Details in detaillierter Betrachtung.

Ihre Themenauswahl hat etwas angenehm Unaufgeregtes, die verschiedenen Bildelemente werden stets gleichrangig behandelt – Bedeutungshoheiten vermeidet Leverkühne.  Das schafft eine kontemplative Grundstimmung, die von flirrendem Licht getragen wird.

Der räumliche Eindruck erwächst dabei nicht aus der Einhaltung perspektivischer Grundsätze, sondern durch das nebeneinander, ineinander und übereinander von Farben. So erschafft die Künstlerin wiederholt einen Zustand im Fluss. Leicht kann man glauben, ein Davor und Danach in ihren Bildern zu erspüren. Sehr schön finde ich das.

( Michael Tischer )

Neue Kunst im Malkastenpark

Neue Kunst im Malkastenpark
Düsseldorf, 6. Juni 2026

Ja, wo ist sie denn, die schöne Kunst? Venusteich im Malkastenpark.

Unter dem Titel „Ecologies in Motion“ bringt die Kunsthalle Düsseldorf neue Kunst in den von mir sehr geschätzten Park des Künstlervereins Malkasten. Der Park dient dabei nicht nur als Kulisse, sondern wird als aktiver Mitspieler in künstlerischen und gesellschaftlichen Prozessen sichtbar gemacht – als Ort der Begegnung, der Erinnerung und der Transformation.

Mit Skulpturen, Installationen und Interventionen beleben sechs Künstler*innen den Park auf vielfältige Weise und öffnen ihn als Raum für zeitgenössische Kunst. Gezeigt werden Werke von Kanade Hamawaki, Aslı Hatipoğlu, Katie Paterson, Klaus Fritze, Stefanie Bühler und Temitayo Ogunbiyi.

Der wunderschöne Park bringt dabei seine eigene Geschichte ein: Vom Ideal des Barocks über den englischen Landschaftsgarten bis zum heutigen Erscheinungsbild erzählt er von einem Wandel ästhetischer Ideale. Die kunstvolle Anlage des Gartens tritt nun in den Dialog mit aktuellen künstlerischen Positionen.

Nicht alle ausgestellten Arbeiten haben mich unmittelbar und ohne Erläuterung der Hintergründe angesprochen. Aber die Präsentation ist auf jeden Fall etwas ganz Besonderes und der Besuch des Parks immer eine Wohltat.

( Michael Tischer )

Nein, ich möchte nicht ins Fernsehen

Nein, ich möchte nicht ins Fernsehen
Büttgen, 5. Juni 2026

Von mir mithilfe der KI erzeugtes Bild in Magritte-Style

Lustig, ich denke ja immer, mein Blog wird nur von meinen zwei Dutzend Freunden und Bekannten gelesen. Aber offensichtlich stimmt das nicht so ganz.

Dieser Tage kontaktierte mich eine TV-Produktionsgesellschaft aus Hamburg, die gerade im Auftrag von ARTE an einer Dokumentation über den belgischen Surrealisten René Magritte arbeitet. Magritte soll in dem Streifen als eine Art Wegbereiter der KI-Kunst präsentiert werden.

Ob ich mir vorstellen könnte, in dieser Sendung, deren Ausstrahlung für den Herbst geplant ist, als Experte für Kunst und KI aufzutreten? Ich hätte da doch so viel davon auf meinem Blog und sei ja offensichtlich ein wahres Multitalent.

Nun muss ich gestehen, dass ich ARTE tatsächlich sehr schätze. Vieles andere könnte man von mir aus abschalten, insbesondere das gesamte Privatfernsehen. Gerne sofort.

Und obwohl so eine Anfrage natürlich immer auch ein wenig schmeichelt, fiel es mir nicht schwer, abzulehnen. Ich bin gerade zu sehr mit meinem Studium beschäftigt und auch in keiner Weise scharf darauf, im TV als „Computer- und Kunst-Experte“ aufzutauchen. Zu viel der Ehre.

Aber ich werde mir die Magritte-Doku im Herbst sicher mit Interesse anschauen und dann auch feststellen, wen sie stattdessen als „Experten“ engagiert haben. Ich bin gespannt.

( Michael Tischer )