Die Türen von Angermünde

Die Türen von Angermünde
Angermünde, 6. Juni 2024

Ungleiches Duo

Angermünde hat nur knapp 14.000 Einwohner, ist aber flächenmäßig so groß wie Bremen oder Dresden. Und gut erhalten, wie die vielen schönen Türen und Portale erahnen lassen.

( MITI )

Die Wanne ist voll

Die Wanne ist voll
Schiffshebewerk Niederfinow, 6.06.2024

Altes Schiffshebewerk Niederfinow

Ein Besuchermagnet erster Güte im Osten von Brandenburg ist das Schiffshebewerk Niederfinow, das größte in Europa. Das alte Hebewerk stammt aus dem Jahre 1934, das neue, noch größere, aus dem Jahre 2022. Sogar die größten Binnenschiffe können damit in riesigen Stahlwannen um 34 Meter angehoben bzw. abgesenkt werden.

Dadurch wird die Überfahrt von der tiefer liegenden Oder in den Berlin-Kanal möglich, der das höher gelegene Hochplateau des Barnim Rihtung Westen durchquert. Der Ostseeraum erhält dadurch Anschluss an das bundesdeutsche Wasserwegenetz bis hin zum Rhein.

Die Anlage beeindruckt durch ihre schiere Größe und die Menge an verbautem Stahl und Beton. Sie gilt als historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland.

Spannend finde ich, dass gar nicht so viel Kraft aufgewandt werden muss, um die vielen hundert Tonnen schwere Tröge (Schiffe plus Wasser) zu bewegen. Wie bei Seilbahnen nutzt man das Prinzip der Gegengewichtskopplung.

Dazu sind die Wannen über Stahlseile mit riesigen Gewichten verbunden, die beinahe ein Gleichgewicht der Kräfte herstellen. Bei der alten Hebebrücke reichen dann vier Motoren mit jeweils nur 55 PS, um die Gewichtsdifferenz auszugleichen und die Wanne zu bewegen.

( MITI )

Abends in Eberswalde

Abends in Eberswalde
Eberswalde, 5.06.2024

Markplatz mit dem neu gestalteten Wasserspiel, im Volksmund „Pissrinne“ genannt

Ich verbringe die Nacht in Eberswalde. Dort gibt es einen großen kostenlosen Womo-Stellplatz rund 4 km außerhalb des Zentrums.

Überhaupt gibt es in der brandenburgischen Industriestadt genug Platz, weil vieles im Zweiten Weltkrieg zerstört und von der DDR nie wieder richtig aufgebaut wurde.

Zwar fanden sich nach der Wende Investoren, die einige Brachen wieder bebaut haben, dennoch blieben rund um das Zentrum zahlreiche Freiflächen erhalten.

Weil Eberswalde inmitten großen Waldflächen liegt, hat sich der inoffizielle Beiname „Waldstadt“ eingebürgert. Auch in der Stadt findet man viele Grünflächen, die größtenteils auf die Zerstörung der Wohnbebauung durch einen Luftangriff im April 1945 zurückgehen.

Weil der Weg von unserem Stellplatz ins Zentrum wenig attraktiv und außerdem weit erscheint, sattle ich zum ersten Mal auf dieser Tour mein E-Bike – und komme prompt in einen heftigen Regen.

Aber dank meines Elektropferdchens kann ich mir auch noch die weniger kriegszerstörten Stadtteile rund ums Zentrum anschauen. Ich entdecke zahlreiche schöne Häuser aus der Zeit kurz nach 1900, als die Stadt durch die Industrialisierung aufblühte. Gut, dass ich nicht zu Fuß unterwegs war, das wäre mir sonst alles zu weit geworden.

( MITI )

Grenzfähre im Nirgendwo

Grenzfähre im Nirgendwo
Güstelieser Loose, 5.06.2024

Jenseits der Oder liegt Polen

Wenn man so gemütlich mit dem Wohnmobil unterwegs ist, mal hier mal dort halt macht, wo es etwas Interessantes zu sehen gibt, kann man leicht das Ziel aus den Augen verlieren. Ich bin in den Osten Brandenburgs gekommen, um den Orderbruch zu entdecken. Also, los geht’s!

Oderbruch („Bruch“ im Sinne von „Feuchtgebiet“) bezeichnet die Niederung direkt an der polnischen Grenze. Die flache Landschaft ist als Hohlform in der letzten großen Eiszeit vor rund 15.000 Jahren entstanden.

Bis ins 18. Jahrhundert schlängelte sich die Oder in mehreren Armen durch diese Niederung. Mehrmals im Jahr wurden großen Teile vom Hochwasser überflutet, wodurch sich auch der Verlauf und die Bedeutung der Oderarmen änderte. Die Landschaft ähnelte dem heutigen Spreewald nur mit weitaus mehr Dynamik in ihrem Wandel.

Ab 1753 begannen die Preußen, die Oder über Durchstiche bisheriger Schleifen zu begradigen, um ein einheitliches Flussbett zu schaffen und die Auenflächen für die landwirtschaftliche Nutzung trockenzulegen. Seitdem fließt der Fluss am Ostrand der Niederung, an die sich auf polnischer Seite Hügelland anschließt.

Damit das jährliche Hochwasser Raum hat sich auszudehnen und das weiter nördlich gelegene Stettin verschont, hat man landeinwärts in ein bis zwei Kilometer Entfernung Deiche errichtet. Davor erstrecken sich in Richtung Oder endlose Wiesenflächen, die im Sommer bei Niedrigwasser als Weideraum dienen.

Einen Eindruck von dieser Landschaft konnte ich mir heute östlich von Bad Freienwalde verschaffen. Bei Güstelieser Loose kann man über den Deich bis ans Oderufer fahren. Dort sollte eigentlich eine Fähre hinüber nach Polen verkehren, doch von der war heute weit und breit nichts zu sehen.

Die Landschaft wirkt tatsächlich sehr naturbelassen – endlose Wiesen, hier und da eine Kuhherde, weites Land. Die nächste Brücke ist dutzende von Kilometern entfernt. Man spürt, dass hier der Fluss regiert und der Mensch nur Gast ist

( MITI )

Frei im Walde baden

Frei im Walde baden
Bad Freienwalde, 5. Juni 2024

Rathaus am Markt

Von Strausberg fahren wir weiter nach Bad Freienwalde, dem nördlichen Zentrum der Märkischen Schweiz.

Die Stadt liegt am Nordwestrand des flachen Oderbruchs und bildet dort den Übergang zum deutlich höher gelegenen Barnimplateau.

Das sorgt für einen Höhenunterschied von mehr als 150 m innerhalb des Stadtgebiets, was in Brandenburg mehr als ungewöhnlich ist.

Eigentlich wollte ich in den ausgedehnten Wäldern rund um Bad Freienwalde mit Doxi wandern. Doch nach den anstrengenden Touren gestern belassen wir es erst einmal bei einem Stadtspaziergang.

In Bad Freienwalde ist noch der typische historische Grundriss vieler mittelalterlicher Städte mit vorderer Straße, mittlerer Straße und hinterer Straße erkennbar.

Die Stadt verfügt über einige sehenswerte Bauten. Dazu gehören die Pfarrkirche St. Nikolai und die frühere Kirche St. Georg, die heute als Konzerthalle genutzt wird.

Das Schloss Freienwalde wurde 1799 im Auftrag Friedrich Wilhelms III. am Rande der Altstadt als Sommersitz für die Königinmutter Friederike Luise errichtet. Nach deren Tod erwarb der Industrielle und Politiker Walther Rathenau 1909 das Schloss.

Nach Rathenaus Ermordung 1922 vermachten seine Erben das Schloss dem Landkreis Oberbarnim mit der Auflage, an diesem Ort für alle Zeit das geistige Erbe und Andenken Rathenaus zu bewahren. Neben einer Ausstellung zum Leben Rathenaus finden in dem hübschen Schlösschen heute regelmäßig Kulturveranstaltungen statt.

( MITI )

Am Straussee

Am Straussee
Strausberg, 5. Juni 2024

Häuser im Fischerkietz

Okay, jetzt habe ich es verstanden: Nicht jede Stadt am See kann schön sein, dafür gibt es in Brandenburg einfach zu viele Binnengewässer.

Strausberg am Straussee ist in weiten Teilen so trostlos, dass gleich mehrere Parteien auf ihren Plakaten im Kommunalwahlkampf fordern: Strausberg aufpolieren!

Dabei zeigen einige Häuserzeilen im ehemaligen „Fischerkietz“ doch, wie es aussehen könnte. Nur herrscht drumherum leider noch ganz viel DDR-Tristesse. Auch 35 Jahre nach der Wende. Was mag da schiefgelaufen sein?

Dabei hat die Stadt mit der Bundeswehr als größten Arbeitgeber (2.200 Beschäftigte) doch einen zuverlässigen Zahler.

Das reicht aber offensichtlich nicht, um Wohlstand nach Strausberg zu bringen. Oder wohnen die vielen Bundeswehrangehörigen mit ihren Familien vielleicht lieber woanders und geben dort ihr Geld aus? Man weiß es nicht.

( MITI )