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Work in Progress #3

Work in Progress #3
Düsseldorf, 4. Juli 2026

Erste Ausmalung der Kunsthalle für das Rheinland und Westfalen im April durch Navot Miller aus Israel

Was macht ein Museum ohne eigenen Bestand, wenn es eine Woche vor der lange angekündigten mehrjährigen Schließung wegen Komplettsanierung erfährt, dass diese erst einmal ausfällt und der Spielbetrieb trotz fehlender Vorbereitung auf neue Ausstellungen ganz normal aufrechterhalten werden soll?

Dann ist guter Rat teuer. So geschehen dem Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf mit seiner großen Kunsthalle am Grabbeplatz, nachdem der Rat der Stadt Düsseldorf im Frühjahr 2026 kurzfristig seine weitreichenden Ankündigungen und Pläne auf unbestimmte Zeit verschoben hat.

Der Kunstverein hat deshalb flugs aus der Not eine Tugend gemacht und fünf Künstler gesucht, um die gesamte Ausstellungsfläche des Gebäudes auszumalen – nicht gemeinsam, sondern nacheinander und jeder für sich für jeweils vier Wochen.

Anschließend werden alle Flächen wieder weiß getüncht und der nächste Künstler:in darf ans Werk. So will man fünf Monate überbrücken – Zeit genug, um die nächste große Ausstellung mit den Werken eines Künstlers vorzubereiten.

Aktuell ist der dritte Zyklus von „Work in Progress“ mit dem Künstler Federico Herrero (*1987) aus Costa Rica abgeschlossen. Davor war Rosilene Luduvico (*1969) aus Brasilien einen Monat am Werk und davor als erster Künstler Navot Miller (*1991)  aus Israel.

Im Juli folgen nun Stefan Marx (*1979) aus Hamburg und zum Abschluss im August Joelle Dubois (*1990) aus Belgien. Eine wirklich kreative Aktion, die das Innere des Gebäudes alle vier Wochen in ganz neuen Farben und Ausmalungen erstrahlen lässt. Dreimal war ich schon dabei und die letzten beiden Runden möchte ich mir ebenfalls nicht entgehen lassen.

( Michael Tischer )

Universität, Himmelgeist, Rheinbogen

Universität, Himmelgeist, Rheinbogen
D-Himmelgeist, 26. Mai 2026

Rheinstrand im Himmelgeister Rheinbogen. Gegenüber liegt auf Neusser Gebiet der Ortsteil Stürzelberg.

Nach meinem Besuch im Botanischen Garten Düsseldorf starte ich von dort eine 14 km lange Freestyle-Wanderung in den Himmelgeister Rheinbogen.

Vom Universitätsgelände geht es zunächst am lauschigen Brückenbach entlang, dann weiter zum Fleher Wasserwerk (leider abgesperrt) und zum Ortseingang des Düsseldorfer Stadtteils Himmelgeist. Dort entdecke ich einen kleinen Seitenweg, der mich direkt an den Rhein heranführt.

Genau wie im Düsseldorfer Norden bei Wittlaer und Kaiserswerth stehen auch hier im Düsseldorfer Süden in der ersten Reihe am Rhein einige großzügige, wunderschöne Häuser mit tollen Gärten

Bald erreiche ich die Himmelgeister Fähre die seit Jahrhunderten rüber auf „meine“ Seite des Rheins führte, heutzutage aber nur noch an Wochenenden verkehrt. Gegenüber liegt Uedesheim, das zu Neuss gehört. Der Rheinstrand neben dem Fähranleger Himmelgeist ist bereits ordentlich gefüllt, denn schon am Vormittag sind es heute wieder 28 Grad. Die ersten Menschen baden auch bereits im Rhein.

Ich laufe in südlicher Richtung erst am Stand entlang und später auf dem etwas höher gelegenen Feldweg, der die mit Kühen belegten Uferwiesen im Himmelgeister Rheinbogen umschließt. Bald erreiche ich den asphaltierten Rad- und Spazierweg, der quer durch den Rheinbogen verläuft. Diese Allee mit frisch ergrünten Bäumen soll heute mein Wendepunkt sein.

Wieder am Ortsrand von Himmelgeist angekommen, laufe ich zunächst durch den Park von Schloss Minkel, heute eine Wohnresidenz der Düsseldorfer Universität. Von dort geht es erneut quer durch Himmelgeist bis zur Uni, die ich nach knapp drei Stunden wieder erreiche. Gut, dass ich noch am Vormittag unterwegs war, denn am Ende dieser schönen Tour ist es in der hochstehenden Mittagssonne bereits fast schon ein wenig zu heiß zum Wandern.

( Michael Tischer )

Let’s party – seit 1852

Let’s party – seit 1852
Düsseldorf, 27. März 2026

Die Ausstellung zeigt historische Exponate und aktuelle Arbeiten von Malkasten-Künstliern

Unter dem Titel „Dioniysisches Denken – Die Kunst der Feste“ erinnert der Düsseldorfer Künstlerverein Malkasten derzeit in einer Ausstellung an die rauschenden Feste, die er seit 1852 jeweils am Karnevalssamstag mit aufwändig gestalteten Festumzügen, Kostümen, Kulissen und Aufführungen veranstaltet hat.

Die historischen Malkasten-Redouten hatten jeweils ein bestimmtes Thema. Die Erste im Jahr 1852 stand unter dem Motto „Aschenbrödels Hochzeit“. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs fanden dieser Feiern in der Tonhalle, Düsseldorfs größtem Festsaal statt, der bis zu 2000 kostümierten Besuchern Platz bot.

Die Feste wurden jeweils als großes Gesamtkunstwerk inszeniert, mit Schauspielaufführungen vor phantasievoller Kulisse und einem Festumzug vor und nach der Veranstaltung. Der Erste Weltkrieg brachte eine Unterbrechung der Tradition, die man ab 1927 fortsetzte.

Doch da brachte der zunehmend konservativer und nationaler werdende Zeitgeist bereits Einschränkungen, die auch zu Friktionen innerhalb der Künstlergemeinschaft des Malkastens führte. Mehr als ein Drittel der Mitglieder trat damals unter Protest aus dem Verein aus. Unter den Nazis war dann schnell Schluss mit Lustig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltete man ab 1949 wieder regelmäßig die Redouten, doch die Festspieltradition mit Bühnendarbietungen nahm man nieder wieder auf. Bis zum Anfang der 1990er Jahre richtete der Malkastenverein jährlich eine Redoute aus.

In diesem Jahr 2026 wurde die ehrwürdige Tradition unter dem Motto „Multiversum“ erstmals wieder fortgesetzt, initiiert vom Künstler Alex Wissel und ausgestaltet vom Künstlerkollektiv FORT der Kunstakademie Kiel. Heike und ich hatten die Gelegenheit, bei dieser Party dabei zu sein, und es war wirklich ein tolles Erlebnis. Aber nie hätten wir gedacht, dass diese Tradition mehr als 170 Jahre zurückreicht. Von daher fand ich es sehr spannend, diese Hintergründe in der aktuellen Ausstellung im Malkasten erleben zu können.

( Michael Tischer )

Mehr Glitzer war nie

Mehr Glitzer war nie
Düsseldorf, 19. Dezember 2025

Weihnachten im TV kann man hier das ganze Jahr haben. Dazu noch etwas Räucherduft gefällig?

Warum die Abendrunden immer durch die stockdunklen Felder rund um mein Heimatdorf drehen? Heute bin ich im Herzen von Düsseldorf zwischen den Adventslichtern der großen und kleinen Weihnachtsmärkte unterwegs.

Von Roncallis romantischer Weihnachtspromenade am Rheinufer gehts zum Riesenrad auf dem Burglatz, weiter zum traditionsreichen Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus und einmal quer durch die Altstadt rüber zum Adventsvergnügen mit Eislauffläche am Kö-Bogen. Die Märkte sind gut besucht, aber jetzt außerhalb des Wochenendes auch nicht übervoll. Was mir auffällt: Viele Touristen aus den Niederlanden sind in der Stadt unterwegs. Eeenendertig, tweeëndertig.

Im Anschluss an meine Zentrumstour unternehme ich noch einen Abstecher zum Weihnachtsmarkt am Benrather Schloss, wo sich die Lichterketten der Verkaufsstände romantisch im Schlossweiher spiegeln. Auf diese Weise kommen auch ein paar Kilometer Strecke zusammen. So viel Lichter und so viel Glitzer habe ich auf meinen Abendrunden sonst jedenfalls nie. 

( Michael Tischer )

Roncalli’s Weihnachtspromenade

Roncalli’s Weihnachtspromenade
Düsseldorf, 5. Dezember 2025

Roncalli’s Weihnachtspromenade startet am Burgplatz beim Riesenrad

Traditionelle Weihnachtsmärkte sind mir ein Graus. Die schmalzige Weihnachtsmusik, der penetrante Geruch nach Glühwein, dazu haufenweise kitschige Weihnachtsdekobrauche ich alles nicht.

Aber was Roncalli-Direktor Bernard Paul und sein Team in Düsseldorf an der Rheinuferpromenade als romantisch weihnachtliche Flaniermeile inszeniert haben, finde ich richtig nett. 

Der selbsternannte Bewahrer des Guten und Schönen hat als Sammler historischer Raritäten einen sehenswerten Fundus zusammengetragen, der vom nostalgischen Jahrmarktwagen, über seltene Requisiten bis hin zu alten Einkaufsläden reicht.

Im Mittelpunkt der Roncalli Weihnachtspromenade: Diverse historische Zirkusfahrzeuge aus Paul’s Sammlung, die zu Food-Trucks umfunktioniert wurden, sowie eine Reihe gläserner Pavillons („Orangerien“) als Verkaufsstände, Pop-Up-Restaurants und Biertheken – alle mit Blick auf den Rhein.

Die ersten Sonnenstrahlen der vergangenen zwei Wochen haben Heike und ich gestern genutzt, um der Weihnachtspromenade einen Besuch abzustatten. Im Dunkeln mit ganz viel Lichterglanz sehen die Stände sicher noch weihnachtlicher aus, aber ich musste nach bald zehn Tagen fasten einfach mal wieder raus ans Licht. Und die Sonne an der Rheinuferpromenade hat uns so richtig gut getan … Bitte mehr davon, gerne auch ohne Weihnachtszeit.

( Michael Tischer )

Herbst am Hofgarten

Herbst am Hofgarten
Düsseldorf, 22. Oktober 2025

Schauspielhaus und Dreischeibenhaus am Gustav-Gründgens-Platz

Heute Morgen war ich zwei Stunden mit der Kamera rund um den Düsseldorfer Hofgarten unterwegs. Ich hatte mir vorgenommen, einige herbstliche Motive zwischen Natur und Architektur einzufangen. Oper, Kunstpalast, Schauspielhaus, Dreischeibenhaus, Malkasten: überall kommen mir die bunten Bäume in ihren festlich geschmückten Ballkleidern entgegen. Die Architektur wird da fast zur Kulisse. Und weil zuletzt wenig Wind herrschte, sehen die Bäume gerade noch ganz fein und unzerzaust aus. Wird aber nicht so bleiben, schon morgen soll Sturm aufziehen.

( Michael Tischer )