Die Kunst des Armin Mueller-Stahl

Die Kunst des Armin Mueller-Stahl
Moyland, 1. Juni 2026

Armin Mueller-Stahl im Interview zu seiner Werkgruppe mit den Portraits jüdischer Persönlichkeiten

Armin Müller-Stahl, vielfach geehrter Schauspieler mit Ost-Westdeutscher Biografie, ist heute 95 und immer noch bemerkenswert rüstig und geistig super präsent. Vor 20 Jahren, 2006, hat er seine Filmtätigkeit offiziell beendet und sich nach eigenen Worten einen neuen Beruf gesucht: Als Maler und Zeichner.

Das Schloss Moyland zeigt derzeit eine umfangreiche Ausstellung seiner Werke, die auch sein Filmschaffen und die biografischen Hintergründe des künstlerischen Multitalents (Schauspieler, Musiker, Maler) nicht ausspart.

Mueller-Stahl selbst kommt in einigen Videos zu Wort, in denen er die Hintergründe ausgewählter Werkgruppen beschreibt, beispielsweise die bemerkenswerten Portraits herausragender jüdischer Künstler, Intellektueller und Persönlichkeiten.

Mich hat diese Ausstellung mit starken Gefühlen zurückgelassen. Nicht nur, weil mir viele Werke von A.M.S und sein Malstil ausgezeichnet gefallen. Es rührt mich, einen so alten Menschen zu erleben, der noch voll da ist, die Potenziale seines Menschseins bis zuletzt verwirklicht und dabei weiterhin Großes schafft. Ganz großen Respekt und auch ein Stück weit Bewunderung für dieses ausgefüllte Leben!

( Michael Tischer )

Bezauberndes Moyland

Bezauberndes Moyland
Moyland, 1. Juni 2026

Schloss Moyland umringt von Pavillons der „Frühlings-Partie“

Immer wieder ein Genuss, Schloss Moyland mit seinen herausragenden Ausstellungen, dem imposanten historischen Gebäudeensemble und dem tollen Park mit Skulpturen namhafter Künstler zu erleben.

Bei meinem Besuch der Ausstellung von Armin Mueller-Stahl lief im Park gleichzeitig die „Frühlings-Partie“ mit zahlreichen Ausstellern und Anbietern von Garten- und Mode-Acessoires bis hin zu Gemälden und lokalen Spezialitäten von nah und fern.

Mich hat das alles nicht so wahnsinnig interessiert, und trotzdem habe ich die Veranstaltung gerne mitgenommen, als bunte Umrahmung meines Kunstbesuchs. Schön, dass ich nach fünf Jahren wieder einmal auf Moyland war.

( Michael Tischer )

Millinger Waard und Theetuin

Millinger Waard und Theetuin
Millingen aan de Rijn (NL), 31.05.2026

Am Startpunkt oben auf dem Deich

Gestern war ich in einem ganz spannenden Naturschutzgebiet in den Niederlanden am Rhein unterwegs, kurz nachdem dieser das Deutsche Staatsgebiet verlassen und sich auf holländischer Seite in Waal und Pannerdensch Kanaal aufgespalten hat.

Beim Eintreffen am Wanderparkplatz zwischen den niederländischen Gemeinden Kekerdom und Millingen aan de Rijn trifft mich ein Deja-Vu: Hier war ich doch schon einmal!?

Und tatsächlich, ein Blick in den Blog erinnert mich daran, dass ich hier im Spätherbst 2008 schon einmal wandern wollte. Nur war es damals so kalt, matschig und stürmisch, dass ich die Wanderung nach kurzer Zeit abgebrochen habe.

Also, heute auf Neues, und das bei perfektem Wanderwetter. Es geht entlang einer knapp 10 Kilometer langen Route, die einmal rund um die Millinger Waard und entlang des Rheins führt. Das Gebiet dient als Überflutungsfläche bei Rheinhochwassern, um die angrenzende Großstadt Nimwegen zu schützen.

Millinger Waard und Theetuin

Skulptur im Theetuin

Die Millinger Waard ist durchzogen von Wald, Seen, Kanälen und Weideflächen, die von Wildrindern und Wildpferden beweidet werden. Von den Tieren bekomme ich heute aber nichts zu sehen.

Dafür machen die Führungsdalen (Gleitstäbe) an einer schwimmenden Vogelbeobachtungshütte deutlich, wie hoch das Wasser hier steigen kann: Bestimmt sieben Meter ragen die massiven Metallsäulen beim aktuellen eher niedrigen Wasserstand in die Lüfte. Wenn Hochwasser die Vogelbeobachtungsstation entlang dieser Stäbe nach oben drückt, stehen hier bald alle Wege metertief unter Wasser.

Mein Ziel auf halber Strecke ist der weithin bekannte Theetuin (Teegarten) ein privat geführter Park mit Gastronomie am Rheinufer, der viele Besucher anzieht und im Prinzip nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar ist. Als ich dort eintreffe, öffnet die Anlage gerade und auf einer der Zierflächen wird noch fleißig Yoga praktiziert. Könnte ich doch eigentlich gut mitmachen … 🙂

( Michael Tischer )

Kranenburger Kreuzwallfahrt

Kranenburger Kreuzwallfahrt
Kranenburg, 30. Mai 2026

Weithin sichtbar: Der Turm von St. Peter uznd Paul, hier vom Marktplatz in Kranenberg

Ich finde es immer spannend, wenn in relativ kleinen Gemeinden übergroße Kirchen stehen. Da steckt dann meist etwas Besonders dahinter. So auch in der 11.000-Einwohner-Gemeinde Kranenburg am nördlichen Niederrhein bei Kleve.

Der Ort liegt nur wenige Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt. Mittlerweile sind fast ein Drittel der Einwohner Niederländer, die auch täglich zum Arbeiten in die Niederlande pendeln und ihre Kinder in niederländischen Gemeinden zur Schule schicken. Es sind die günstigeren Immobilienpreise und Lebenshaltungskosten in Deutschland, die die Familien zum Wohnen über die Grenze locken.

Die enorm große Kirche im Ortszentrum ist St. Peter und Paul geweiht und offiziell die Wallfahrtskirche zum Wundertätigen Kreuz. Der Legende zufolge soll ein Hirte aus Kranenburg zu Ostern 1279 eine geweihte Hostie in einen Baum im nahegelegenen Reichswald fallen gelassen haben. Bei der Fällung dieses Baumes 1308 sei dann die Christusfigur am Kreuz gefunden und in der Kirche von Kranenburg aufgestellt worden, wo sie schnell zum Ziel zahlreicher Pilger wurde.

Kranenburger Kreuzwallfahrt

Pilgerpforte der Kirche

Historisch nachweisbar ist die Kreuzverehrung in Kranenburg seit dem Ende des 14. Jahrhunderts. Ihren Höhepunkt erreichte sie in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als die Spendengelder den Bau einer großen dreischiffigen Kirche ermöglichten, was dann auch meine Frage beantwortet, wie die imposante Kirche in den kleinen Ort kommt.

In der Frühen Neuzeit war die Kranenburger Wallfahrt besonders für Katholiken aus den protestantisch dominierten Niederlanden attraktiv. Auch die 1666 erschienene Geschichte der Kranenburger Kreuzverehrung des Stiftsdekans Johannes van Wanray in niederländischer Sprache verfasst, wie ich hier erfahre.

Die Wallfahrt gibt es bis heute und findet jährlich am ersten Sonntag nach Kreuzerhöhung (14. September) statt. Dann ziehen Pilger von nah und fern durch das große Pilgertor an der Frontseite der Kirche unter Gesang in die Kirche ein und feiern dort eine heilige Messe.

( Michael Tischer )

Anne Truitt im K20

Anne Truitt im K20
Düsseldorf, 29. Mai 2026

Anne Dean Truitt (1921-2004) war eine US-amerikanische Bildhauerin und Schriftstellerin, die als Pionierin des Minimalismus gilt und derzeit in einer großen Ausstellung im K20, Düsseldorf, gewürdigt wird.

Präsentiert werden Truitts bahnbrechende Skulpturen der frühen 1960er-Jahre, ihre farbig leuchtenden Arbeiten auf Papier, ihre Weiß-auf-Weiß Malerei und ihre tiefschwarzen Piths, eine ihrer letzten Bildserien.

Anne Truitt im K20Als die Minimal Art nach dem Zweiten Weltkrieg in New York entstand, schockierte sie mit ihren klaren Formen, seriellen Objekten und industriell produzierten Materialien. Truitt war einer der Wegbereiter dieser Bewegung. Besonders eindrücklich präsentieren sich die tiefdunklen Farbnuancen, die ihren Werken aus Holz Sinnlichkeit und Bedeutung verleihen.

In ihren Arbeiten verzichtete Truitt auf die Kälte der industriellen Minimal Art und transformierte Farbe und Form stattdessen zu Bedeutungsträgern für ihre persönlichen Erfahrungen und Gefühle.

Manche ihrer Bilder sind so reduziert, dass ich spontan an die Geschichte von „des Kaisers neue Kleider“ denken musste. Vielleicht ist da ja in Wirklichkeit gar nichts. Doch wenn man näher herantritt (soweit die Saalwächter das zulassen), entdeckt man auch in ihren fast wie monochrome Flächen wirkenden Werken feine Strukturen. 

Ich finde, man muss sich ein wenig darauf einlassen, um in den reduzierten Formen und Farben der Werke von Truitt Schönheit zu entdecken. Aber es funktioniert.

( Michael Tischer )

So schön gerade, abends im Feld

So schön gerade, abends im Feld
Büttgen, 28. Mai 2026

Sonnenuntergang zwischen Büttgen und Neuss

Deutschland erlebt die erste Hitzewelle des Jahres mit Temperaturen von mehr als dreißig Grad – und das bereits Ende Mai. Tagsüber verkrieche ich mich in meinem abgedunkelten Büro und lerne vor mich hin. Unterdessen hat sich Doxi im Garten mehrere Kuhlen gegraben und verdöst dort unter Hecken und Bäumen den Tag.

Aber Abends wird es dann richtig lieblich, wenn die Sonne untergeht und aus dem Boden eine leichte Kühle aufsteigt. Auf meiner Abendrunde im Feld staune ich, wie weit das Wachstum des Korns auf einigen Flächen bereits fortgeschritten ist. Ich vermute, keine vier Wochen mehr, und die ersten Ähren werden unter dem Getöse der Mähdrescher fallen. 

So schön gerade, abends im Feld

Das gibt gutes Heu für die Pferde

( Michael Tischer )