Im großen Saal: Barocke Raumgestaltung trifft auf moderne Kunst
Im vergangenen Herbst habe ich im Kunsthaus NRW eine interessante Ausstellung gesehen, die der Entwicklung der Kunsthochschulen in NRW nach 1945, ihrer Professoren und Meisterschülern bis hin zu Joseph Beuys gewidmet war. Jetzt, im Frühjahr und Sommer 2026, folgt der zweite Teil, den ich gestern besucht habe.
Viele Ausstellungsräume sind erneut jeweils einem Professor:in und den Werken seiner/ihrer Meisterschüler:in gewidmet. Es sind wieder bekannte Namen dabei, und die Urheber einiger Werke erkenne ich sofort am Malstil. In meinen Augen eine sehr sehenswerte Ausstellung, die durch ein tolles Booklet ergänzt wird.
Darin erfährt man alles über die Professoren an der Kunstakademie Düsseldorf in der Zeit nach Beuys (1972), ihre Klassen, Lehransprüche, den Umgang mit ihren Schülern und welche heute bekannten Künstler daraus hervorgegangen sind.
In einigen Fällen sind aus den Meisterschülern später sogar selbst Professoren der Kunstakademie geworden. Dies gilt etwa für Gerhard Richter, Jörg Immendorff, Katharina Fritsch, Andreas Gursky, Thomas Schütte, Katharina Grosse und Gregor Schneider.
Hier eine Auswahl der Werke, die mir in der Ausstellung am besten gefallen haben. Einige davon habe ich bereits in anderen Ausstellungen gesehen. Das finde ich dann immer ganz lustig. Aus der Sicht eines Psychologie-Studenten würde ich sagen: Das Gehirn mag das 🙂
Klaus Schmitt, Zwei-Drei-Zero, 2026
Klaus Schmitt, Zwei-Drei-Zero, 2026
Tim Berresheim, Scheuche Wood V, 2007
Albert Oehlen, Greifen, 2005
Tim Berresheim, Brush next to wig, 2026
Rosemarie Trockel, Prisoner of yourself, 1998
Tim Ulrichs, Getarnte Landschaft, 1968
Dieter Krieg, Lampe, 1979
Sigmar Polke, Ohne Titel, 1972
Jan Dibber, Perspektive Correction, Mangold II, 2004
Ulrike Möschel, aus der Serie „Spielende Kinder“, 2022
Das fruchtbare Iterbachtal ist reich an lauschigen Plätzen entlang des Flusses
Ich darf das ganze Pfingstwochenende durchstudieren, aber wenn ich bei dem herrlichen Wetter nicht auch ein wenig rauskomme, drehe ich durch. Also bin ich um 5:30 mit der Sonne aufgestanden, habe bis zum Mittag eine Vorlesung durchgearbeitet (Biologische Psychologie 5: Psychoneuroendokrinologie) und bin dann zum Wandern in die Nordeifel gefahren, nach Kornelimünster vor den Toren von Aachen. Hier beginnt auch der beliebte Eifelsteig.
Die 15 km lange Wanderung startet im Ortszentrum am Münsterplatz und führt mich zunächst hinauf zum Gallorömischen Tempelbezirk Varnenum aus der Zeit um Christi-Geburt. Von dort geht es in Richtung des Ortes Hahn und dahinter weiter durch das Naturschutzgebiet Wahlheim. Am Rande des Schutzgebiets steht das hübsche und aufwändig renovierte Schloss Friesenrath.
Kurz dahinter erreiche ich den südlichsten Punkt der Tour. Wieder Richtung Norden geht es durch die Ortsbebauung von Wahlheim ins grüne Tal des Hasbachs, der in Richtung Kornelimünster dem Iterbach zustrebt. Der Wanderweg führt jetzt durch eine Reihe von Kuhwiesen, die teilweise schon mit genüsslich wiederkauenden schwarz-weißen Holsteiner Kühen belegt sind. Der Iterbach nährt hier die saftigen Wiesen und strebt dabei der Inde entgegen.
Nach einer Passage durch die Randbebauung von Kornelimünster erreiche ich nach gut drei Stunden wieder meinen Startpunkt im Herzen von Kornelimünster. Eine schöne Tour mit einem gelungenen Mix aus Wald, Wiesen und Wasser, wobei ich sicher bin, einige Teilstrecken schon mit Doxi gelaufen zu sein. Ist aber bestimmt acht bis zehn Jahre her. Schade, dass mein geliebtes Doxi-Mädchen jetzt alt ist und nicht mehr mitkann.
Wanderkarte der Tour
In Kornelimünster startet der Eifelsteig
Makrplatz mit dem Münster
Unscheinbarer Durchgang zu einer langen Treppe hoch zum Friedholf von Kornelimünster
Die Treppe nimmt kein Ende
Gallo-Römischer Tempelbezirk oberhalb von Korenlimünster
Infotafel am Tempelbezirk
Die Inde kurz hinter Korenlimünster
Inde-Brücke der ehemaligen Vennbahn, heute Vennbahnradweg
Indebrücke kaputt, das ist die Wanderalternative
Alles so schön saftig jetzt
Hier mäandert der Iterbach durch den Wald
Frontseite von Schloss Friesenrath
Querung des Iterbachs
Lange Passage durch Kuhweiden zwischen Hahn und Kornelimünster
Kornelimünster, der südöstlichste Stadtteil von Aachen, ist immer einen Besuch wert. Bereits um Christi Geburt wurden oberhalb der Inde die ersten Gebäude einer großen gallo-römischen Tempelanlage nahe der alten Römerstraße von Belgien nach Köln errichtet. Untersuchungen deuten auf eine Größe des Geländes von mindestens 150.000 Quadratmetern hin. Auf einer gefundenen Bronzetafel wird die etwa um 70 n.Chr. durch Feuer zerstörte Anlage als „Varnenum“ bezeichnet.
Achthundert Jahre später entstand unter dem Nachfolger von Karl dem Großen weiter unten im Tal am Fluss ein erstes Kloster, das Mitte des 9. Jahrhunderts reichsunmittelbar wurde. Dazu erhielt das Kloster großen Landbesitz und die sogenannten Salvator-Heiligtümer: Schürztuch, Schweißtuch und Grabtuch des Jesus Christus.
875 wurde die Hälfte des Grabtuches gegen eine Kopfreliquie des Märtyrerpapstes Cornelius eingetauscht. Das Kloster wurde daraufhin in „Sancti Cornelii ad Indam“, später Kornelimünster, umbenannt.
Rund um das im Jahre 1802 von den Franzosen säkularisierte Münster erstreckt sich bis heute die sehenswerte Altstadt am Fluss Inde. Dort beginnt auch der beliebte Fernwanderweg „Eifelsteig“, der sich auf einer Länge von 313 km in 15 Etappen bis nach Trier erstreckt.
In der prächtigen barocken Bendiktinerabtei ist heute das Kunsthaus Nordrhein-Westfalen untergebracht, das ich gestern besucht habe. Das gesamte Ensemble wirkt sehr stimmig und ist deshalb ein beliebtes Ausflugsziel auf dem Lande, kaum 8 Kilometer Luftlinie vom Zentrum von Aachen mit dem Aachener Dom entfernt.
Historische Bebauung an der Inde
Hauptschiff des Kornelimünsters
Blick zur Orgel
Angrenzend an das Münster die alte Benedikitnerabtei, heute Kunsthaus NRW
Blick aus dem Seitenflügel der ehemaligen Benedikitinerabtei zum Innenhof der Anlage
Das bezaubernde Kornelimünster vor den Toren von Aachen beherbergt in der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster ein ganz wunderbares Museum, das sich ausschließlich mit Kunst aus Nordrhein-Westfalen beschäftigt. Das „Kunsthaus NRW“ wird vom Landesministerium für Kultur und Wissenschaft getragen. Es zeigt jährlich wechselnde Ausstellungen, der Einritt ist frei.
In den prächtigen Räumen des ehemaligen Klosters begegnen sich Gegenwart und Vergangenheit. Das Aufeinandertreffen von zeitgenössischer Kunst, barocker Architektur und Jahrhunderte alter Kulturgeschichte schafft eine ganz besondere Atmosphäre.
Die aktuelle Ausstellung „Klassenverhältnisse. Lehrende, Lernende, Künstler:innen“ untersucht die Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden an den Kunsthochschulen des Landes und zeigt rund 100 Werke aus der eigenen Sammlung.
Viele namhafte Künstlerpersönlichkeiten, die in NRW studiert oder als Professoren gewirkt haben, sind in der Ausstellung vertreten: Von Josef Beuys über Bernd & Hilla Becher, Karl Otto Götz, Jörg Immendorf, Norbert Kricke, Sigmar Polke, Imi Knoebel, Nam June Paik, Gerhard Richter, Thomas Schütte, Günter Uecker – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Eine wirklich hochkarätige und sehr interessant aufbereite Ausstellung.
Thomas Schütte, Hund II, 2004
Günther Uecker, Nagelpyramide, 1971
Otto Pankok, Selbstbildnis, 1964
Bernd und Hilla Becher, Typologie anonymer Industriebauten, 1973
Peter Royen, Kleines Feld, 1978
Günther Uecker, Diagonale Progression, 1976
Beuys als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf
Nach unserer Wanderung rund um Wahnheim schaue ich mir das historische Zentrum von Kornelimünster an, einem beliebten Ausflugsort südöstlich von Aachen. Im Jahre 814 gründete hier Benedikt von Aniane als Berater von Kaiser Ludwig dem Frommen das Kloster Kornelimünster am Fluss Inde.
Mitte des 9. Jahrhunderts wurde das Kloster reichsunmittelbar und erhielt großen Landbesitz und die sogenannten Salvator-Heiligtümer: Schürztuch, Schweißtuch und Grabtuch des Herrn. 875 wurde die Hälfte des Grabtuches gegen eine Kopfreliquie des Märtyrerpapstes Kornelius eingetauscht, der im Jahre 235 n. Chr. von den Römern hingerichtet worden war.
In den darauffolgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Kloster zu einem überregional bedeutenden Pilgerziel. Es prägte die Region, für die sich der Begriff „Münsterländchen“ einbürgerte.
1802 fiel Kornelimünster zusammen mit weiteren linksrheinischen Gebieten an Frankreich. Wie auch die anderen Klöster im Rheinland wurde die Reichsabtei durch die Franzosen säkularisiert. Die Mönche mussten das Kloster verlassen. Heute befinden sich die alten Gebäude der Abtei im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen, das dort die Einrichtung „Kunst aus Nordrhein-Westfalen“ betreibt.
Direkt neben der ehemaligen Abtei liegt der Marktplatz von Kornelimünster mit zahlreichen gut erhaltenen historischen Bürgerhäusern. Ein wirklich sehenswertes Ensemble.
Rückseite der früheren Abtei
Seitenflügel der Abtei
Zugang zur Abteikirche vom Ortszentrum
Bürgerpark im ehemaligen Abteigarten
Die Inde fließt durch das Zentrum von Kornelimünster
Innenhof der früheren Abtei, heute Sitz der Kunstsammlung NRW
Kunst im Vorhof der Kunstsammlung
Das Mittlere Portal
Aufwändig verzierte Gitter vor den Fensterflügeln im Hauptgebäude
Kunstinstallation auf dem Gelände der ehemaligen Abtei
Rückseite des Hauptgebäudes mit Skulpturen im Außenbereich
Die junge, kristallklare Inde im Wald zwichen Schmithof und Raeren
Wow, ist das schön hier! Wir sind am Nordrand der Eifel zwischen Schmithof (Aachen) auf deutscher Seite und Raeren auf belgischer Seite unterwegs. Entlang schmaler, naturbelassener Pfade folgen wir dem Lauf der Inde, die sich malerisch durch den Münsterwald schlängelt.
Die Inde ist ein 54 km langer, linker Nebenfluss der Rur. Sie entspringt im Naturpark Hohes Venn-Eifel im Gebiet der belgischen Gemeinde Raeren und fließt über Kornelimünster, Eschweiler und Inden bis zu ihrer Mündung in die Rur bei Jülich. Nach der langen Trockenzeit in diesem Sommer führt der hier noch junge Fluss zurzeit nur wenig Wasser. Und das ist gut so, denn wir müssen mehrmals die Seiten wechseln, ohne dass Brücken vorhanden wären.
Das Wasser ist kristallklar und Doxi genießt es, immer wieder durch den Fluß zu waten und ihren Durst zu stillen. Leise plätschert der Fluss vor sich hin. Außer ein paar Vogelstimmen ist hier im Naturschutzgebiet „Oberlauf der Inde im Münsterwald“ kein Geräusch zu vernehmen. Herrlich ist das.
Unbemerkt passieren wir im Wald die Grenze zu Belgien. Nun sind wir im Staatsforst Oberweser unterwegs. Wir verlassen die Inde und laufen weiter auf schmalen Pfaden Richtung Raeren.
Irgendwann erreichen wir die ehemalige Strecke der Vennbahn zwischen Aachen und Raeren, die heute als Radweg ausgebaut ist. Zum ersten Mal verlassen wir den Schatten des Waldes und sogleich wird uns richtig warm. Ich beschließe deshalb, den geplanten Schlenker hinunter nach Raeren auszulassen und weiter dem Radweg der Vennbahn zu folgen. Das verspricht mehr Schatten.
Bald erreichen wir wieder den Wald und weil es an der Inde so schön war, steuern wir wieder auf den Fluss zu. Diesmal laufen wir auf der gegenüberliegenden Flussseite zurück in Richtung unseres Startpunkts bei Schmithof.
Bevor wir die Inde verlassen, machen wir noch eine kleine Pause am Fluss. Doxi macht es sich auf einer Kiesbank gemütlich und ich halte meine nackten Beine ein wenig in den kühlen Fluss. So kann man es aushalten,
Nach dreieinhalb Stunden erreichen wir schließlich wieder unseren Startpunkt. Statt der geplanten 18 km sind es nur 14 km geworden, aber die waren wirklich wunderschön. Hier müssen wir auf jeden Fall wieder hinkommen. Ich bin gespannt, wie der Fluss wirkt, wenn es nicht mehr ganz so trocken ist.
Wanderkarte unserer Tour
Infotafel zum Wassersystem der Inde
Beschaulich fließt die Inde durch den Wald
Einige der wenigen Stellen, an der ein Steg den Fluß kreuzt
Das Wasser ist kristallklar
Natürlicher Damm aus Wurzelwerk
Doxi hat etwas gehört – es ist ein Reh
Hier möchte man gerne verweilen
Die letzten Blüher sind am Start
Auch abseits der Inde sind wir auf naturbelassenen Pfaden unterwegs
Doxi auf dem Radweg der Vennbahn
Flieder an der Vennbahn
Blick hinunter ins Zentrum von Raeren
Der alte Bahnhof von Raeren an der Vennbahn
Wir überqueren die Grenze zurück nach Deutschland
Doxi macht es sich auf einer Kiesbank bequem
Panoramabild von der Inde
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