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Erich Kästner: Der April

Erich Kästner: Der April
Gründonnerstag, 2. April 2026

Gesehen beim Osterspaziergang in Liedberg auf dem Höhepunkt der Corona-Krise im Jahr 2022

von Erich Kästner, 1955

Der Regen klimpert mit einem Finger
die grüne Ostermelodie.
Das Jahr wird älter und täglich jünger.
Oh Widerspruch voll Harmonie!

Der Mond in seiner goldnen Jacke
versteckt sich hinter dem Wolken-Store.
Der Ärmste hat links eine dicke Backe
und kommt sich ein bisschen lächerlich vor.
Auch diesmal ist es dem März geglückt:
er hat ihn in den April geschickt.

Und schon hoppeln die Hasen,
mit Pinseln und Tuben
und schnuppernden Nasen,
aus Höhlen und Gruben
durch Gärten und Straßen
und über den Rasen
in Ställe und Stuben.

Dort legen sie Eier, als ob’s gar nichts wäre,
aus Nougat, Krokant und Marzipan.
Der Tapferste legt eine Bonbonniere,
er blickt dabei entschlossen ins Leere
Bonbonnieren sind leichter gesagt als getan.

Dann geht es ans Malen. Das dauert Stunden.
Dann werden noch seidene Schleifen gebunden.
Und Verstecke gesucht. Und Verstecke gefunden:
Hinterm Ofen, unterm Sofa,
in der Wanduhr, auf dem Gang,
hinterm Schuppen, unterm Birnbaum,
in der Standuhr, auf dem Schrank.

Da kräht der Hahn den Morgen an!
Schwupp, sind die Hasen verschwunden.
Ein Giebelfenster erglänzt im Gemäuer.
Am Gartentor lehnt und gähnt ein Mann.
Über die Hänge läuft grünes Feuer
die Büsche entlang und die Pappeln hinan.
Der Frühling, denkt er, kommt also auch heuer.
Er spürt nicht Wunder noch Abenteuer,
weil er sich nicht mehr wundern kann.

Liegt dort nicht ein kleiner Pinsel im Grase?
Auch das kommt dem Manne nicht seltsam vor.
Er merkt gar nicht, dass ihn der Osterhase
auf dem Heimweg verlor.

( MITI )

Was im Märzen alles blüht

Was im Märzen alles blüht
Büttgen, 31. März 2026

Gesehen bei uns im Feld

Heute geht der März zu Ende. Zeit für einen Rückblick, was in diesem Monat bereits geblüht hat. Denn es geht ja immer alles so schnell, und so manche Blüte neigt sich schon wieder dem Ende entgegen. Einige Kirschblüten beispielsweise oder die Blüte der Magnolien, die sich nicht einmal zehn Tage hält. Auch bei den Narzissen lassen schon so manche wieder ihre hübschen gelben Köpfchen hängen, wie ich unlängst gesehen habe – obwohl Ostern doch erst noch bevorsteht. Andere fleißige Märzblüher halten sich dagegen noch einige Wochen, die Forsythien beispielsweise.

Hier einige prachtvolle Blüten, die ich auf meinen Wanderungen und Ausflügen im März aufgenommen habe.  Einige davon sind vermutlich im Gewächshaus „vorgewärmt“ worden, weil sie im Freiland erst im April oder Mai ihre Knospen öffnen würden. Doch auch an ihrer farbenfrohen Blüte darf man sich bereits jetzt erfreuen, sofern man den Weg in eine Gärtnerei findet 🙂

( MITI )

Rundwanderung bei Maria Hoop

Rundwanderung bei Maria Hoop
Maria Hoop (NL), 29. März 2026

Die Basilika von St. Odilienberg an der Rur

Wenn das Wetter schön ist und die Vöglein fleißig zwitschern, können auch ganz unspektakuläre Wanderungen durch Wald und Feld ihren Reiz haben. Eine solche Tour bin ich heute auf niederländischer Seite an der deutsch-niederländischen Grenze zwischen Heinsberg und Roermond gelaufen.

Die Grenze verläuft hier entlang eines langgezogenen, bewaldeten Hangs, der den Bruch zum Urstromtal der Maas markiert.

Auf einer Länge von 13 km geht es durch lichtdurchfluteten Wald „Annadaalsbosch“, dann über Feldflächen und schließlich wieder in den Wald in Richtung der deutschen Grenzgemeinde Haaren.

Nach der Tour besuche ich noch den nur wenige Kilometer entfernten Ort St. Odilienburg an der Rur, kurz vor Roermond.

Dort gibt es einen historischen Ortskern rund um zwei Kirchen aus dem 11. Jahrhundert, die auf einem flutsicheren Hügel neben der Rur stehen: eine zweitürmige romanische Basilika, die den Heiligen Wiro, Plechelmus und Otgerus geweiht ist und die kleine „Onze Lieve Vrouwekapel“. Ein malerischer Flecken, fünf Kilometer vor  der Mündung der Rur in die Maas im alten Zentrum von Roermond.

( MITI )

Let’s party – seit 1852

Let’s party – seit 1852
Düsseldorf, 27. März 2026

Die Ausstellung zeigt historische Exponate und aktuelle Arbeiten von Malkasten-Künstliern

Unter dem Titel „Dioniysisches Denken – Die Kunst der Feste“ erinnert der Düsseldorfer Künstlerverein Malkasten derzeit in einer Ausstellung an die rauschenden Feste, die er seit 1852 jeweils am Karnevalssamstag mit aufwändig gestalteten Festumzügen, Kostümen, Kulissen und Aufführungen veranstaltet hat.

Die historischen Malkasten-Redouten hatten jeweils ein bestimmtes Thema. Die Erste im Jahr 1852 stand unter dem Motto „Aschenbrödels Hochzeit“. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs fanden dieser Feiern in der Tonhalle, Düsseldorfs größtem Festsaal statt, der bis zu 2000 kostümierten Besuchern Platz bot.

Die Feste wurden jeweils als großes Gesamtkunstwerk inszeniert, mit Schauspielaufführungen vor phantasievoller Kulisse und einem Festumzug vor und nach der Veranstaltung. Der Erste Weltkrieg brachte eine Unterbrechung der Tradition, die man ab 1927 fortsetzte.

Doch da brachte der zunehmend konservativer und nationaler werdende Zeitgeist bereits Einschränkungen, die auch zu Friktionen innerhalb der Künstlergemeinschaft des Malkastens führte. Mehr als ein Drittel der Mitglieder trat damals unter Protest aus dem Verein aus. Unter den Nazis war dann schnell Schluss mit Lustig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltete man ab 1949 wieder regelmäßig die Redouten, doch die Festspieltradition mit Bühnendarbietungen nahm man nieder wieder auf. Bis zum Anfang der 1990er Jahre richtete der Malkastenverein jährlich eine Redoute aus.

In diesem Jahr 2026 wurde die ehrwürdige Tradition unter dem Motto „Multiversum“ erstmals wieder fortgesetzt, initiiert vom Künstler Alex Wissel und ausgestaltet vom Künstlerkollektiv FORT der Kunstakademie Kiel. Heike und ich hatten die Gelegenheit, bei dieser Party dabei zu sein, und es war wirklich ein tolles Erlebnis. Aber nie hätten wir gedacht, dass diese Tradition mehr als 170 Jahre zurückreicht. Von daher fand ich es sehr spannend, diese Hintergründe in der aktuellen Ausstellung im Malkasten erleben zu können.

( MITI )

Jazz: Düsseldorf/Palermo

Jazz: Düsseldorf/Palermo
Düsseldorf, 26. März 2026

Plakat zum 6. Deutschen Amateur Jazz-Festival in Düsseldorf 1960

Jazz in Düsseldorf, das sind für mich vor allem die mitreißenden Konzerte in der Jazz-Schmiede, wo ich seit bald 20 Jahren Vereinsmitglied bin, aber auch die kostenlosen Hofgarten-Konzerte im Sommer oder die pulsierende Jazz-Rallye. Dass die Geschichte viel länger zurückreicht, zeigt derzeit eine Sonderausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf, die den Jazz in den Partnerstädten Düsseldorf und Palermo feiert.

Vor der Naturkulisse des Speeschen Grabens erzählen zahlreiche Exponate aus Malerei, Grafik, Fotografie, Musikinstrumente, Video und Audio urbane Jazz-Geschichten. Kostenlose Live-Konzerte jeweils donnerstags 18:00 machen die Ausstellung einmal im Monat zur Bühne.

Jazz war in Düsseldorf seit Mitte der 1920er Jahre präsent und stieß als musikalische Revolution in der live-gespielten Tanzmusik vor allem beim jungen Publikum auf enthusiastische Begeisterung.

In den Wilden Zwanzigern hieß das vor allem Feiern, Tanzen, Alkohol, Drogen und sich gehen lassen, wie es auch in den Bildern des italienischen Malers Alessandro Bazan zum Ausdruck kommt.

Doch nach 1933 verschwand der von den Nazi als ‚undeutsch‘, ‚entartet‘ und ‚Negemusik‘ diffamierte Jazz wieder aus der Öffentlichkeit, um erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wiederzukehren.

Jazz: Düsseldorf/PalermoBereits im Januar 1948 wurde der Hot Club Düsseldorf ins Leben gerufen, in dem Jazz gespielt und über Jazz diskutiert wurde. Bald machten auch die amerikanischen Stars bei ihren Europatourneen Station in der Landeshauptstadt.

Mit dem 1955 begründeten Amateur Jazz-Festival legte Düsseldorf den Grundstein für eine bis heute anhaltende Tradition regelmäßiger Veranstaltungsformate im Jazz. Dazu gehört der kostenlose Jazz im Hofgarten (seit 1988) oder die eng mit Klaus Doldinger verbundene Jazz-Rally (ab 1993).

Seit 1995 hat der Jazz in der mit Unterstützung der Stadtverwaltung begründeten Jazz-Schmiede auch von Amts wegen eine feste Adresse in Düsseldorf. In der Spielzeit bin ich ganz oft einmal in der Woche dort, um einem live-Konzert zu lauschen. Ich liebe es!

( MITI )

Mein erster Houellebecq

Mein erster Houellebecq
Büttgen, 24. März 2026

Deutsche Hardcover-Ausgabe aus dem Dumont-Verlag von 2019

Obwohl ich gerade Semesterferien habe, bin ich schon wieder am Vor-Lernen. Doch parallel treibt mich das Gefühl, ich müsse die nur scheinbar freie Zeit ebenfalls nutzen, um endlich Mal wieder ein wenig Belletristik zu lesen – damit mir nicht immer nur dieser ganze „fachspezifischen Kram“ vor die Linse kommt (pardon).

Meine Wahl ist auf „Serotonin“ von Michel Houellebecq gefallen, einem viel diskutierten französischen „Skandalautor“, der nicht nur in seinem Heimatland, sondern auch international hohe Auflagen erzielt und bereits zahlreiche Literaturpreise gewonnen hat. Die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. So muss es bei einem guten Schriftsteller sein, finde ich 🙂

Ich habe die Lektüre von Serotonin in weiten Teilen genossen, denn Houellebecqs Sprache und Erzählweise ist schön drastisch und explizit, sein 47-jähriger Protagonist radikal in der Ablehnung seines bisherigen Lebens und dem Streben, die bürgerliche Existenz hinter sich zu lassen und in die vollständige Bezugslosigkeit zu entschwinden. Nur das Antidepressiva Captorix muss bleiben, sonst geht sein Serotonin zu stark runter.

Parallelen zu Houellebecq selbst sind dabei unverkennbar. Im Mittelteil hätte der Autor die Handlung nach meinem Geschmack etwas mehr vorantreiben können, doch das sei ihm verziehen. Ich glaube, ich werde demnächst auch seinen Romane „Elementarteilchen“, „Karte und Gebiet“ und „Unterwerfung“ eine Chance geben, denn ich bin neugierig geworden. Aber erst, wenn ich das nächste Mal wieder Semesterferien habe. Bis dahin muss ich „Serotonin“ erst einmal verdauen.

( MITI )