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Frühlingsrunde bei Burscheid

Blick hinunter zum naturbelassenen und noch winterlich verschlafenen Wald-Campingplatz im Wersbachtal

 Burscheid, 21. März 2026

Den Frühlingsanfang heute wollte ich keinesfalls ohne eine schöne Wanderung verstreichen lassen. Meine Wahl fällt auf eine 11 km lange Runde bei Burscheid zwischen Solingen und Leverkusen, 60 km von meinem Zuhause entfernt. Hier zeigt das Bergische Land bereits sein markantes Landschaftsbild.

Bei frischer Luft und herrlichem Sonnenschein führt mich die Tour durch mehrere lauschige Bachtäler und über die Höhen, die sie trennen. Los geht es am mäandernden Murbach nördlich von Burscheid.

Ich laufe zunächst stromaufwärts in östlicher Richtung durch das Murbachtal bis zur Classmühle und schwenke dort nach Norden ein.

Am Naturschutzgebiet Herkensiefen führt mich der Weg erst auf die Höhen mit weiten Fernblicken und anschließend hinunter in das Wersbachtal, dem ich nun in westlicher Richtung folge.

Bald erreiche ich den hübschen kleinen Wersbachstausee und dahinter einen naturbelassenen Campingplatz im Talgrund.

Es folgen die hübschen kleinen Siedlungen Oberwetsche und Unterwetsche, bevor ich wieder auf den Murbach treffe. In den Dörfern dominiert die typische bergische Architektur mit Fachwerk und schieferverkleideten Fassaden, sowie den markanten Hauseingängen, das alles in Schwarz, Weiß und Grün.

Dem Murbach stromaufwärts folgend, gelange ich über die Siedlung Grünscheid und die Mummekampsmühle wieder zu meinem Startpunkt. Obwohl die Tour nur 200 Höhenmeter im Aufstieg abruft, bin ich am Ende überraschend k.o. Vielleicht, weil ich in den letzten Tagen intensiv körperlich an Haus und Garten gearbeitet habe. Aber kein Problem, trotzdem eine herrliche Tour.

( MITI )

Edith Oellers im Maxhaus

Werk von Edith Oellers

 Düsseldorf, 20. März 2026

Nicht immer kann man sich auf sein erstes Urteil verlassen. Manchmal lohnt ein zweiter Blick, wie ich heute wieder einmal beim Besuch der Ausstellung von Edith Oellers im Maxhaus, Düsseldorf, erlebt habe.

Oellers Bilder zeigen Menschen in Alltagssituationen, naturalistisch gemalt, teilweise in Aquarell. Eigentlich sind diese Motivwelten und der Stil eher nichts für mich, doch bei ihren Kompositionen steckt mehr dahinter, wie ich nach einer Weile entdeckt habe. Erst hatte ich nur ein leichtes Störgefühl, dann wurde es Bild für Bild immer mehr zu einer Idee und schließlich zur Gewissheit.

Das verbindende Element in ihren Werken ist eine Sphäre des Unbestimmbaren, Entrückten. Die abgebildeten Menschen erscheinen ruhig, oft in sich gekehrt, vor sich hinträumend oder in stille Tätigkeiten vertieft.

Auch wenn sie sich physisch nahe sind, so bleiben sie doch bei sich, in ihrer eigenen Welten. Sie wirken der Zeit entrückt und ziehen den Betrachter hinein in diese besondere Ebene, ohne sich näher mitzuteilen oder Erklärungen abzugeben. Und so ist es auch mit den dargestellten Orten.

Je länger man schaut, desto unergründlicher erscheinen Oellers Bilder und desto heterogener wirkt die Malweise. Die in Düsseldorf ansässige Künstlerin erreicht das u.a. durch einen akzentuierten Umgang mit Schärfe und Unschärfe, Nähe und Distanz, farblich pointierter Akzentuierung und ruhiger Ausdehnung von Farbflächen.

Oft existiert in ihren Bildern auch eine zweite Ebene, die sich inhaltlich der vordergründigen Darstellung entzieht. Die zuvor aus der Distanz verspürte, etwas naiv wirkende „Idealität“ zerfällt. Ich muss sagen, das gefällt mir doch alles richtig gut. Da habe ich mich bei meinem ersten Urteil getäuscht.

( MITI )

Die Magnolie blüht 2026

Bei uns im Garten

 Büttgen, 19. März 2026

Wenn die große Magnolie bei uns im Garten vollständig erblüht, ist dies ein sicheres Zeichen: Der Winter ist vorüber. In diesem Jahr acht Tage später als im vergangenen. Und man sieht auch, dass die Elstern den schönen Baum für den Nestbau 2025 ordentlich gerupft haben. Viele kleine Zweige in der Mitte fehlen, und dadurch wirkt das rosafarbene Prachtexemplar nun etwas lichter. Das Nest in der Baumkrone ist auch noch da, doch die Elstern haben es nicht erneut belegt. Werden die Äste für den Nestbau wohl nach und nach auf dem Rasen darunter landen – bei jedem Starkwindereignis ein wenig mehr.

( MITI )

Polit-Kunst der Siebziger

Bilder von Peter Sorge

 Büttgen, 18. März 2026

Manchmal mag ich Kunst mit starken Botschaften. So, wie die Serien von Peter Sorge (1937-2000) vom Ende der 1960er und den 1970er Jahren. Links „Auf dem Markt wird wieder scharf geschossen“, Mitte  „Gute Besserung für Andy“ und rechts „Wege zu Kraft und Schönheit (Black Power)“ seinerzeit alle erschienen als limitierte, handsignierte Druck-Auflage.

Sorge, der nach Kriegsende in Dortmund aufwuchs und von 1958 bis 1964 in West-Berlin Kunstpädagogik studierte, ist dem Kritischen Realismus zuzurechnen. Dieser aus der Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre hervorgegangene Stil zog besonders Künstler an, die sich als linksstehend betrachteten und ihre Arbeiten als Waffe im politischen Kampf verstanden.

Das Engagement dieser Künstler griff ab dem Ende der 1960er Jahre insbesondere Themen wie Krieg, Unterdrückung der Frau und Manipulation durch Politiker auf. Zur Darstellung wurden Fotomontagen, aggressive Farbgebung, Deformierungen und andere karikierende Elemente genutzt. Explizit grenzten sich führende Vertreter wie Hans-Peter Alvermann, Klaus Staeck oder Peter Sorge dabei vom sozialistischen Realismus ab, der in der DDR zur Staatskunst erhoben wurde.

Durch die geschickte Wahl von Ausschnitt und Vergrößerung zerrte Sorge in seinen Bildern Gesehenes mit der Präzision eines Fotoobjektivs in den Vordergrund und pointierte Situationen mittels Fotomontage auf teils aggressiv Weise. Seine Motive rahmte er mit Rechtecken, Farbbalken und Schriftzügen. Dadurch setzte er Ausrufezeichen, ähnlich der Berichterstattung in Illustrierten.

Ästhetisch verlockende und provokante Motive stellte er dabei nachdenklichen Inhalten gegenüber, wobei er sich gleichzeitig als Berichterstatter und Voyeur empfand. Doch im Gegensatz zu den Fotorealisten reproduzierte Sorge das fotografische Vorbild nicht, sondern porträtierte es. So entwickelte er einen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil, der auch heute nicht an Ausdrucksstärke eingebüßt hat.

( MITI )

Hilfe, ich bin schwach geworden

Meine neue Mondrian-Vase made in China, sold by Temu

 16. März 2026

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, niemals bei Temu zu bestellen. Doch Anfang des Jahres bin ich schwach geworden. Nicht bei irgendwelchen Ramschprodukten, sondern bei einem ganz süßen Designobjekt, das ich vorher so noch nirgendwo gesehen hatte: Einer Blumen-Vase aus Plexiglas im Mondrian-Stil. Die kann man auf drei verschiedene Arten hinstellen, wobei sie immer anders farbig ausschaut und ein anderes Blumen-Fach nach oben weist.

Ich bin ganz begeistert von dieser außergewöhnlichen Vase und sie war auch nicht so günstig, dass man irgendwie ein schlechtes Gewissen haben müsste. Tatsächlich habe ich sogar extra ein paar Euro mehr für den CO2-freien Versand aus China bezahlt. Damit bin ich doch fast unschuldig, oder? Haha.

( MITI )

Die zwei Foundations: Incarnate

Lu Yang, DOKU: The Flow, 2023 – klassische asiatische Spiritualität trifft auf moderne Technologie

 NE-Holzheim, 14. März 2026

Die Ausstellung „Incarnate“ führt zwei der führenden privaten Kunstsammlungen Nordrhein-Westfalens zusammen: Videokunst aus der Julia Stoschek Collection trifft auf klassische japanische und asiatische Kunst aus der Sammlung Viktor und Marianne Langen.

Ausstellungsort ist das ikonische Museumsgebäude der Langen Foundation auf der früheren Raketenstation bei Neuss-Holzheim, dessen Außenmauern derzeit mit Tarnnetzen überzogen sind, um Solidarität mit der von Russland angegriffenen Ukraine zu zeigen.

Incarnate lädt die Besucher ein, zwischen materiellen und immateriellen Welten zu wandeln und Verbindungen zwischen spirituellen Fragen und medialen Ausdrucksformen zu entdecken. In den Begegnungen von religiöser Kunst und digitalen Avataren zeigt sich, wie überliefertes Wissen und zeitgenössische Ausdrucksformen miteinander in Beziehung treten.

Die Ausstellung macht eine überraschende Nähe zwischen den metaphysischen Fragestellungen des Buddhismus und den illusionistischen Strategien zeitgenössischer Videokunst sichtbar: hier das buddhistische Misstrauen gegenüber dem äußeren Schein zugunsten einer tieferen Wirklichkeitserfahrung, dort die ambivalente Auffassung der Videobildfläche als Fenster oder Schleier. Die Auswahl der Werke ist zudem inspiriert vom Wandel des Begriffs „Avatar“ – von seinen Ursprüngen in der östlichen Philosophie hin zu seiner heutigen Bedeutung in der digitalen Kultur.

Als Begriff in der Philosophie und Theologie steht Inkarnation für das Sichtbarwerden des Unsichtbaren, die Erscheinung des Geistigen in einer endlichen, materiellen Form. Begegnungen zwischen antiken, modernen und zeitgenössischen Kunstwerken symbolisieren eine wiederkehrende Schleife zwischen Form und Inhalt, wie auch in dem Herz-Sutra, dem vielleicht am häufigsten rezitierten Text in der gesamten Tradition des Mahayana-Buddhismus, zum Ausdruck kommt: Form ist Leere und Leere ist Form.

( MITI )