
Werk von Edith Oellers
Nicht immer sollte man sich vollkommen unkritisch auf ein erstes Urteil verlassen. Manchmal wird ein zweiter Blick belohnt, wie ich heute an mir selbst erlebt habe – beim Besuch der Kunstausstellung von Edith Oellers im Maxhaus, Düsseldorf.
Oellers Bilder zeigen Menschen in Alltagssituationen, naturalistisch gemalt, teilweise in Aquarell. Eigentlich repräsentieren derartige Motivwelten und der Malstil eher nicht meinen persönlichen Kunstgeschmack. Doch bald schon mischte sich ein leichtes Störgefühl in diese initiale Zurückweisung und schließlich wurde es zur Gewissheit: In den Kompositionen der ehemaligen Studentin der Kunstakademie Düsseldorf steckt weit mehr hinter einer auf den ersten Blick vielleicht harmlos-naiven, idealtypischen Fassade.

Auch wenn sich die Protagonisten physisch nahe sind, so bleiben sie doch bei sich, in ihrer eigenen Welten. Sie wirken der Zeit entrückt und ziehen den Betrachter hinein in diese besondere Sphäre, ohne sich näher mitzuteilen oder Erklärungen abzugeben. Und so ist es auch mit den dargestellten Orten.
Je länger man schaut, desto unergründlicher scheinen Oellers Bilder und desto heterogener wirkt ihre Malweise. Die in Düsseldorf ansässige Künstlerin erreicht das u. a. durch einen feinen Umgang mit Schärfe und Unschärfe, Nähe und Distanz, farblich pointierter Akzentuierung und ruhiger Ausweitung von Farbflächen.
Oft existiert in ihren Bildern eine zweite Ebene, die sich inhaltlich der vordergründigen Darstellung entzieht. Die zuvor aus der Distanz verspürte, etwas naiv wirkende „Idealität“ zerfällt. Und das gefällt mir alles richtig gut. Da habe ich mich bei meinem ersten Urteil wohl getäuscht.
