Liebe Mitstudierenden, ich habe im Sommersemester 2025 M2 belegt und möchte einige Erfahrungen und Best Practices daraus mit Euch teilen.
Das Wichtigste vorweg: M1 ist deutlich anders als M2. Das betrifft die Anforderungen an die Lernenden, die Qualität des Studienmaterials und die Herausforderungen in der Klausur.
Anforderungen:
- Bei M1 wird man ja vor allem mit einer riesigen Menge an Fakten und Informationen aus den verschiedenen Teilbereichen der Psychologie quasi erschlagen. Die Informationen sind größtenteils nicht schwierig zu verstehen und auch nicht stark miteinander verknüpft. Die Herausforderung besteht eher in der Menge der Inhalte.
- Bei M2 hat man es in der Summe mit deutlich weniger Fakten zu tun, dafür hängen die Inhalte wesentlich stärker zusammen. Und man muss viel stärker mitdenken und schlussfolgern als einfach nur einen Begriff, ein Konzept oder eine Aussage zu memorieren. Ohne wirklich zu verstehen, geht in M2 nichts.
Berührungsängste mit Zahlen
Wer grundsätzlich etwas Berührungsängste mit Zahlen hat, den/die kann ich vielleicht etwas beruhigen: Statistik ist kein Mathe. Man muss nicht viel selber rechnen, nur wenige Formeln behalten und schon gar keine Formeln umstellen oder selber herleiten. Es geht mehr darum, Zusammenhänge zu verstehen, statistische Verfahren zu kennen und zu wissen, in welchen psychologischen Kontexten (Studien) man sie einsetzt. Den Rest erledigt dann größtenteils der Computer mit der Statistik-Software R (Open-Source).
Vorlesungen und Pflichtlektüre:
- Als Absolventen von M1 teilt Ihr vielleicht meine Einschätzung: Der Gerrig ist eine gut strukturiere, vollständige und prima aufbereitete Pflichtlektüre, die Vorträge von Dr. Walpurger haben nicht umsonst innerhalb der FUH einen Preis gewonnen.
- In M2 ist die Lage etwas unübersichtlicher:
- Der Sedlmeier als Pflichtlektüre ist in vielen Bereichen schwierig zu verstehen und geht regelmäßig über das hinaus, was klausurrelevant ist. Leider ist selten klar ersichtlich, wo man jetzt eigentlich aufhören könnte, wenn man sich in seinem Wissensdurst nur auf die Klausur beziehen will.
- Der Eid, Gollwitzer & Schmitt als weitere Pflichtlektüre ist in einigen Teilen einfacher zu verstehen. Genutzt wird er aber nur für den ersten und einfacheren Teil des Semesters: die deskriptive Statistik. Anschließend hat man es komplett mit dem Sedlmeier zu tun.
- Die Vorlesungen von Prof. Christ machen nicht so große Freude, sind aber ein Muss. Regelmäßig wirkt der sympathische und unprätentiöse Prof in den Videos ein wenig unstrukturiert. Man hört ihm auf die Dauer auch nicht wirklich entspannt zu, weil er streckenweise sehr viele Verzögerungslaute („Ähm“) von sich gibt. Einige meiner Mitstudierenden haben deshalb den Transkriptionen der Vorlesungen den Vorzug gegeben.
- Die Vorlesungen und Videos von Frau Dr. Schützler erklären teilweise die statistischen Verfahren, fokussieren aber schwerpunktmäßig auf deren konkrete Anwendung am Computer mit der Statistik-Software R, um die man in M2 keinesfalls herumkommt. Regelmäßig hatte ich das Gefühl, zwischen der Unzugänglichkeit des Sedlmeiers auf der theoretischen Seite und der praktischen Anwendung dieses Wissens bei Schützler klafft eine spürbare Lücke.
Prüfungsvorleistungen:
Um zur Klausur zugelassen zu werden, muss man im Laufe des M2-Semesters sechs von acht Online-Zwischentests als Prüfungsvorleistungen erfolgreich bestehen. Meistens muss man dabei Wissen wiedergeben oder etwas mit der Statistiksoftware R ausrechnen lassen. Da es kein Zeitlimit gibt und man während dessen in den Vorlesungen und Unterlagen nachschlagen kann, sind diese Tests keine riesengroße Hürde. Aber täuscht Euch bitte nicht: Die Klausur ist wesentlich anspruchsvoller und Nachschlagen kann man dort auch nicht! Das nur mal als Info.
Zusatzangebote von Christine und Guido
In die oben beschriebene Lücke zwischen Pflichtlektüre und Vorlesungen stoßen kostenpflichtige Zusatzangebote außerhalb der Uni von Christine (zweimal wöchentliches Online-Live-Videotutorium) und Guido (Video-Kurse). Ich habe beides für kleines Geld in Anspruch genommen und diese Ausgaben in keiner Weise bereut. Tatsächlich bin ich eigentlich Autodidakt und gewohnt, mir Dinge selbst beizubringen. Aber nur mit dem Sedlmeier und den Vorlesungen hätte das nicht gut funktioniert, das habe ich schnell gemerkt.
- Guidos Statstutor (er wird sich sicherlich im M2-Gruppenchat melden und werben) ist ein Videokurs über die zentralen Inhalte von M2. Ein Teil der Videos ist auch kostenlos auf Youtube zugänglich. Guido erklärt die Dinge sehr schön und anschaulich, man hört ihm gerne zu und der Vorteil ist natürlich, dass die Inhalte jederzeit zur Verfügung stehen und man sie endlos wiederholen kann. Man kann Guido auch Fragen stellen, aber so richtig interaktiv ist das Ganze nicht.
- Christine (ebenfalls im M2-Gruppenchat regelmäßig präsent) bietet jeweils mehrere interaktive Live-Termine pro Woche an. Sie ist Diplom-Psychologin mit einem Faible für Statistik und hat lange selbst am Lehrstuhl von Prof Christ gearbeitet. Christine ist sehr freundlich, erklärt den Stoff ruhig und geduldig, und achtet darauf, dass niemand zurückbleibt. Vor allem geht sie nicht nur die Studieninhalte durch, sondern auch unfassbar viele Fragen, die alle in der Klausur auftauchen könnten.
Man verbringt viel Zeit in dem Tutorium, das ist schon anstrengend, aber in meinen Augen gibt es keine bessere Vorbereitung auf die Klausur. Ich hatte den Eindruck, am Ende der zahllosen Sitzungen hatten viele von uns Christine ein wenig liebgewonnen. Es ist ihr wirklich ein Anliegen, alle gut durchzubringen.
Eigene Mitschriften und Mitschriften von Sina und Sarah
- Jeder von uns hat vermutlich seine/ihre eigene Art, Mitschriften der Kursinhalte zum Wiederholen und Üben zu erstellen. Bei mir kamen in M2 am Ende knapp einhundert A4-Seiten in Word zusammen, das nur mal so als Eindruck, dass M2 dann doch ganz schön in die Breite geht.
- Die umfangreichen Aufzeichnungen von vielen Kursen durch Sarah M und Sina Donner kennt ihr bestimmt. Beides ganz tolle und mit viel Liebe und Aufwand erstellte Sammlungen.
- Ich persönlich bevorzuge das Material von Sina und hatte mir vorgestellt, ich könne ja auf eigene Mitschriften in M2 verzichten und stattdessen ihr Material heranziehen. Hat aber leider nicht funktioniert. Einerseits, weil Sina das viele Wissen korrekt wiedergibt, aber nicht den Anspruch hat es zu erklären. Andererseits weil bei Sina alle Formeln drinstehen, von denen man in der Klausur aber nur einen Bruchteil benötigt. Mich haben die vielen Formeln ganz rammdösig gemacht, doch einen Versuch war es Wert 😊
Die Semesterklausur
- Die Abschlussklausur war nach meinem Empfinden fair, aber durchaus fordernd. Es gibt schon einen Grund, warum M2 im langjährigen Mittel (da war sie wieder, die Statistik) eine etwas höhere Durchfallquote als M1 hat. Ohne intensives Lernen kommt man dabei nicht durch, so zumindest meine Einschätzung.
- In den M2-Chats wurden regelmäßig die Altklausuren zitiert, die in einer geschlossenen Facebook-Gruppe verfügbar sein sollen (Böse, böse, verboten). Nach den Rückmeldungen einiger Mitstudierender soll es sehr hilfreich sein, diese Altklausuren intensiv durchzuarbeiten. Erstens um die Art der Aufgabenstellungen kennenzulernen, zweitens weil man ein Gespür dafür bekommt, welche Themen regelmäßig wiederkehren und in welcher Form.
So, jetzt ist doch einiges an Text zusammengekommen. Ich hoffe, Ihr könnt von meinen Erfahrungen etwas für Euch mitnehmen. Viel Erfolg in M2 und viele Heureka-Momente wünsche ich.
