Als die DDR noch Träume hatte

Als die DDR noch Träume hatte
Eisenhüttenstadt, 3.06.2024

Rathaus von Eisenhüttenstadt

Was heute gerne vergessen wird: Die DDR hatte in den 1950er Jahren noch den ernst gemeinten Wunsch und auch die Hoffnung, das bessere Deutschland zu werden. Und das bei deutlich schlechteren Startbedingungen als die Bundesrepublik – in vielerlei Hinsicht.

So fehlte es beispielsweise komplett an einer Stahl- und Schwerindustrie, weil die im Westen an der Ruhr lag.

Deshalb beschloss man bald nach dem Krieg die Errichtung eines gigantischen Eisenhüttenkombinats Ost (EKO), das südlich von Frankfurt/Oder angesiedelt werden sollte. Im Jahre 1950 erfolgte der erste Spatenstich.

Und weil es dort im Lausitzer Sand nichts gab, wo man die vielen Stahlarbeiter (geplant waren bis zu 45.000) unterbringen konnte, wollte man gleich daneben die erste sozialistische Musterstadt auf deutschem Boden errichten: Stalinstadt, später in Eisenhüttenstadt umbenannt.

Bei der Städteplanung gab man sich richtig viel Mühe, weshalb die Stadt heute als Baudenkmal gilt: Keine hässlichen achtstöckigen Plattenbauten, so wie später in den 1970er Jahren, sondern drei bis viergeschossige Wohn- und Verwaltungsgebäude, dezent sozialistisch geschmückt.

Dazwischen viel Grün, Kunst im öffentlichen Raum, sowie Parks, Kultur-, Sport- und Erholungseinrichtungen, damit die Einwohner ihr ganzes Potenzial als Werktätige und Kulturmenschen entfalten konnten.

Deshalb sieht Eisenhüttenstadt bis heute ganz anders aus, als man sich zumindest im Westen Deutschlands die DDR vorgestellt hat. Ich finde das sehr spannend. Nur schade, dass der DDR bald schon das Geld ausging, um weiterhin so anspruchsvoll zu bauen.

( MITI )

Drüben liegt Polen

Drüben liegt Polen
Frankfurt / Oder, 3.06.2024

Das historische Rathaus – Typische Architektur des spätmittelalterlichen Frankfurts

Von Bad Saarow bin ich 30 km nach Osten zur deutsch-polnischen Grenze gefahren, um mir Frankfurt/Oder anzuschauen.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges erstreckte sich die Stadt auf beiden Seiten der Oder. Doch dann wurde der Fluss auf der alliierten Siegerkonferenz in Potsdam als Grenze definiert und so kam der östliche Stadtteil Dammvorstadt zu Polen. Seitdem trägt er den Namen Slubice.

Frankfurt führt seit 1999 die Zusatzbezeichnung „Kleiststadt“ nach ihrem berühmtesten Sohn Heinrich von Kleist. Mit der Neugründung der Europa-Universität Viadrina 1991 ist Frankfurt/Oder auch wieder eine Universitätsstadt.

Wie bereits im Mittelalter fungierte die Stadt heute wieder als wichtige Nahtstelle im Handel zwischen Ost- und Westeuropa.

Leider ist von der historischen Bebauung nur wenig geblieben, nachdem sowjetische Bomber die Altstadt kurz vor Kriegsende zu mehr als 90 % zerstörten. Doch an einigen Stellen sieht man sie noch, die typische Backsteinarchitektur, die früher das Stadtbild prägte. Auf meinem zweistündigen Stadtspaziergang habe ich versucht, dieser historischen Bausubstanz nachzuspüren.

( MITI )

Die Türen von Frankfurt Oder

Die Türen von Frankfurt Oder
Frankfurt Oder, 3. Juni 2024

Portal des kaiserlichen Hauptpostamts

In Frankfurt an der Oder mochte man es gotisch, wie die vielen Spitzbögen über den Türen und Portalen zeigen. So habe ich das noch nirgendwo gesehen.

( MITI )

Das Haus am See

Das Haus am See
Bad Saarow, 3.06.2024

Markante Seevilla

Wenn Peter Fox über seine Träume von einem Haus am See singt („ich hab 20 Kinder, meine Frau ist schön, alle kommen vorbei, ich brauch‘ nicht rauszugehen“), dann hat er vielleicht so etwas wie die Villen am Scharmützelsee im Sinn.

Der lauschige See bei Bad Saarow, rund 70 km südöstlich von Berlin, ist das perfekte Domizil für Menschen, die nicht knausern müssen.

Bekannt ist Bad Saarow für seine Thermalquelle und den mineralreichen Schlamm, der schon um 1900 zur Kurierung von Hautkrankheiten diente. Seit 1923 trägt Saarow den amtlichen Titel „Bad“. 1998 wurde ein neues Thermalbad eröffnet.

Die ersten Seevillen entstanden ab 1907/08. In den „Goldenen Zwanzigern“ stieg der Ort zum bevorzugten Erholungsort und Treffpunkt der Berliner Kultur- und Filmszene auf.  Unter anderen erwarben hier Max Schmeling und Harry Liedtke Anwesen und Seegrundstücke.

Bis heute ist hier das große Geld zu Hause, wie die Automobile vor den Villen verraten. Aber mit Blick auf den See kann man es sich auch wirklich nett machen.

( MITI )

Zwischen See und Binnendüne

Zwischen See und Binnendüne
Storkow (Mark), 2. Juni 2024

Zugang zum Storkower See

Nachdem sich die Gewitter über dem südöstlichen Brandenburg am frühen Abend verzogen haben, unternehme ich mit Doxi eine kleine Wanderung zum Storkower See und weiter zur Binnendüne Waltersberge.

Der See ist über den Storkower Kanal mit weiteren Seen bis nach Berlin verbunden und ein beliebtes Wassersportrevier. Die Wasserqualität ist ausgezeichnet, wie bei nahezu allen Seen in dieser Region.

Auf dem See tummeln sich am Abend zahllose Wasservögel. Neben dem öffentlichen Strandbad liegen an Stegen Hausboote und Yachten vor Anker. Doxi lässt es sich natürlich nicht nehmen, ein wenig durch den See zu staksen und sich anschließend ordentlich im Sand abzurollen.

Unweit des Nordufers erhebt sich die Binnendüne Waltersberge um bis zu 32 Meter über die Wasserfläche des Sees. Das Gelände befindet sich südlich des von der Spree durchflossenen Berliner Urstromtals am Westrand der Storkower Platte in der Storkower Talsandfläche

Beim Weg durch den Wald zur Düne fallen dutzende Mücken über uns her. Nicht einfach, die lästigen Plagegeister loszuwerden, doch Rennen hilft zumindest kurzzeitig.

Das Maskottchen des umliegenden Naturschutzgebiets ist der Ameisenlöwe, eine von zahlreichen Insektenarten, die hier zu Hause sind. Genau wie die Seen ist die Düne ein Relikt der letzten Eiszeiten und zeigt exemplarisch, wie es damals in dieser Region ausgesehen hat.

( MITI )

Tourauftakt in Storkow

Tourauftakt in Storkow
Storkow (Mark), 2.06.2024

Klappbrücke über den Storkower Kanal

Meine Tour durch den Oderbruch und die Uckermark beginnt in Storkow, 60 km südöstlich von Berlin.

Ich bin mit Doxi früh um 6 Uhr losgefahren, um die leeren Straßen am Sonntagmorgen zu nutzen, und das hat sich voll gelohnt: In nur sechs Stunden sind wir vom Niederrhein bis kurz vor die polnische Grenze durchgerollt.

Storkow liegt im Brandenburger Landkreis Oder-Spree am schönen Storkower See. Die Stadt rund um die Burg Storkow bildete im Mittelalter den Kern einer eigenständigen Herrschaft in der Niederlausitz.

Das historische Zentrum nordwestlich des Storkower Sees wird von der Altstadt und dem Markt mit angrenzenden kleinen Gassen gebildet. Der See ist über den Storkower Kanal mit weiteren Seen verbunden und Teil einer Wasserstraße, die bis nach Berlin führt.

Wir haben Glück, dass wir einen von nur sechs Womo-Stellplätze direkt am Kanal ergattern. Nach uns treffen etliche Fahrzeuge ein, die wieder umdrehen müssen, weil nichts mehr frei ist.

Wahrzeichen von Storkow ist die nach der Wiedervereinigung neu errichtete hölzerne Klappbrücke über den Kanal nach holländischem Vorbild. Am Marktplatz befindet sich eine Friedenseiche, die von den Bürgern 1814 zur Erinnerung an das Ende der Napoleonischen Kriege gepflanzt wurde – heute ein mächtiger Baum.

Etwas außerhalb des Zentrums liegt der Jagdsitz Hubertushöhe, 1899 im Stil einer Burg für den Berliner Druckereibesitzer und Verleger Georg Büxenstein errichtet. Nach der Wiedervereinigung mit viel Aufwand saniert und in ein Luxushotel umgewandelt, soll dort zukünftig ein Kunst- und Literaturpark entstehen.

( MITI )