Die warme Jahreszeit neigt sich dem Ende entgegen. In den kommenden Wochen wird der Altweibersommer sicher noch einmal anklopfen, doch aktuell fühlt es sich eher nach April an: immer wieder Wolken und Regen, dazwischen etwas Sonnenschein bei nur noch mittleren Temperaturen.
Gar nicht einfach, bei diesem Wetter ein trockenes Zeitfenster für meine obligatorische Abendrunde zu erwischen. Zum ersten Malseitdrei Monaten bin ich wieder mit langer Hose unterwegs. Schirm und Regenjacke sind auch dabei.
Als der Himmel nach einer dicken Schauer kurz aufklart, laufe ich los. Doch die nächste Regenwolke aus Westen ist bereits im Anmarsch. Und die beschert mir heute einen wunderschönen Regenbogen. In der untergehenden Abendsonne mit Blickrichtung Düsseldorf sieht das wirklich magisch ist. So komplett von einem Ende zum anderen habe ich dieses Naturschauspiel lange nicht mehr erlebt. Im wahrsten Sinne des Wortes himmlisch!
Blick von der Tomburg über die Kölner Bucht Richtung Rhein und Siebengebirge
Für den Samstagabend habe ich mir eine anspruchsvolle Wanderung im Rheinbacher Wald am Übergang zwischen Rheinebene und Eifel herausgesucht. Die Stadt Rheinbach liegt rund 16 km südwestlich von Bonn.
Die Wanderung startet im Ortsteil Wormersdorf unterhalb der Ruine der Tomburg, die man bei Fahrten auf der Autobahn A61 als Landmarke oberhalb von Rheinbach ausmachen kann.
Von der Burg steht nur noch der halbverfallene Bergfried und der Brunnen, doch man hat von dort einen wunderbaren Fernblick über die Rheinische Bucht bis zum Siebengebirge auf der gegenüberliegenden Rheinseite. Bei guten Sichtverhältnissen kann man sogar den Kölner Dom in rund 35 km Entfernung ausmachen.
Die 16,5 km lange Wanderung führt in einer Schleife durch den großen und teils hügeligen Rheinbacher Wald nordwestlich der Tomburg. Hauptsächlich werden Nebenstrecken und wenig begangene Pfade im Wald genutzt. Nicht immer ist es ganz leicht, die richtigen Abzweigungen zu entdecken.
Der namensgebende Rheinbach und der Ortskaulenbach ziehen sich mäandernd durch den Wald und stauen sich in kleinen Teichen auf. Nahe des Rheinbachs komme ich erst an der Waldkapelle mit ihrem Kreuzweg vorbei, ein Pilgerort auf dem Weg nach Trier und Santiago de Compostelle. Angeblich wurde hier am 20. Januar 1681 beim Spalten einer Buche in deren Stamm die Buchstaben des Christusmonogramms IHS entdeckt und daraufhin eine erste Kapelle errichtet.
Später passiere ich den Thomasbrunnen, wo eine Quelle im Wald kühles Wasser spendet. Nach etwas mehr als drei Stunden erreiche ich wieder meinen Ausgangspunkt, etwas ermattet, weil ich am Morgen des Tages bereits knapp zehn Kilometer gelaufen war.
Wanderkarte der Tour
Bergfried der Tomburg
Blicks ins frühere Innere des Bergfrieds
Brunnen der Tomburg
Der Bergfried ist nur noch halb erhalten
Idyllische Bachläufe im Wald kreuzen unseren Weg
Teils geht es auf selten begangenen Pfaden durch den Wald
Waldkapelle mit Kreuzweg
Die Waldkapelle ist ein beliebtes Ziel auf dem Pilgerweg Richtung Trier
Heute mal eine Abendwanderung im Hinterland der Ahr. Von Kesseling, rund 10 km von den Weinorten Mayschoß, Rech und Dernau entfernt, geht es auf die Höhen links und rechts des Weidenbachs.
In Kesseling besuche ich zunächst die Pfarrkirche St. Petrus und Maternus oberhalb des Ortes. Der Küster will gerade die Kirche abschließen, als ich dort eintreffe. Auf mein Bitten hin darf ich noch kurz eintreten. Ich bin erstaunt über die barocke Pracht des Hochaltars. Das hätte ich hier in einem so kleinen Ort nicht vermutet.
Tatsächlich wurde der Altar um 1695 für die viel größere Abteikirche Maria Laach geschaffen. Dort stand er unter dem Ziborium bis zur Aufhebung der Abtei 1802. Als das Inventar der säkularisierten Abtei versteigert wurde, gelangte der Altar in die 1791 erweiterte Pfarrkirche von Kesseling.
Nach dem Kirchenbesuch beginnt am südöstlichen Ortsrand mein langgezogener Aufstieg in die Berge zwischen Kesseling und Fronrath. Fast 300 Höhenmeter geht es steil bergauf. Von oben ist gut zu erkennen, wie stark das Ahrgebirge zerklüftet ist. Außerhalb der Bachtäler geht da zivilisatorisch nicht viel, und der Wald scheint fast grenzenlos.
Auf meiner 13 km langen Tour begegne ich nicht einer Menschenseele. Im Wald ist es ganz still, nur ab und zu hört man einen Vogel singen. Nach zweieinhalb Stunden erreiche ich wieder meinen Ausgangspunkt in Kesseling, ganz beseelt von dieser schönen Wanderung im Sonnenuntergang.
Wanderkarte der Tour
Blick vom Weidenbach hinauf zur Kirche von Kesseling
Alter Hof in Kesseling
Kirche St. Petrus und Maternus umschlossen vom Friedhof
Mein erster, noch halb verschlafener Blick am Morgengilt stets meinem Kalenderblatt auf bloxi.de. Was habe ich heute vor einem Jahr, vor fünf Jahren, vor zehn Jahren gemacht? Häufig bringen die Beiträge von damals schöne Erinnerungen zurück, manchmal auch melancholische oder inspirierende. So, wie heute.
Vor elf Jahren war ich zum ersten Mal in der Eifel-Toskana bei Ripsdorf, Gemeinde Blankenheim, um mit Jutta und der noch ganz jungen Doxi durch das schöne Lampertstal zu wandern. Eine Dekade später ist Jutta längst auf anderen amourösen Wegen unterwegs, meine liebe Doxi kann nicht mehr so lange Strecken laufen, aber ich bin heute wieder da: nach 70 Minuten und rund 110 Kilometern Autofahrt.
Früh am Morgen starte ich eine 17 km-Runde von Ripsdorf hinunter ins Lampertstal, wo Bäche mitten in der Landschaft verschwinden, weil sie das ausgehöhlte Kalkgestein im Untergrund regelrecht verschluckt. Die Luft ist noch frisch, aber es verspricht ein wunderbarer Wandertag zu werden, mit Sonne und weißen Wolken vor blauem Grund.
Über ein Teilstück des Eifelsteigs führt mich der Weg zunächst nach Mirbach zur wunderschönen Erlöserkirche im neuromanischen Stil, erbaut 1902. Dort machen auch die Pilger aus meinem Heimatdorf regelmäßig Halt, wenn sie auf ihrem Vier-Tages-Marsch von Büttgen nach Trier sind.
Weiter geht es durch stille Waldabschnitte nach Alendorf, wo mich auf dem Kalvarienberg ein wunderbarer Fernblick in die Ahr-Eifel erwartet. Am Horizont sind der flache Aremberg und die Spitze der Hohen Acht am Nürburgring deutlich erkennbar.
Ein Hauch von Toskana liegt über der Landschaft. Nicht zuletzt wegen der vielen an Zypressen erinnernden Wacholderbäume auf den nur vereinzelt bewachsenen Kalk-Magerwiesen der Region. Mit schönen Ausblicken steige ich entlang des Waldrandes nach Waldorf hinab. Anschließend geht es über wenig begangene Wege parallel zum Bonnesbach ins Eichholzbachtal.
An der alten Ripsdorfer Mühle beginnt der Wiederaufstieg nach Ripsdorf, wo ich nach dreieinhalb Stunden wieder meinen Startpunkt an der Kirche St. Johann Baptist erreiche. Gerne würde ich noch ein wenig in der schönen Eifel-Toskana verweilen, doch ich muss zurück nach Hause, an meinen Schreibtisch. In vier Tagen ist Klausur …
Wanderkarte der Tour
Kirche St.-Johann-Baptist in Ripsdorf
Noch ist die Landschaft ein wenig dunstig
Abstieg ins Lamperstal
Blühstreifen zwischen den Feldflächen
Hallo ihr Pferdchen
Im Lampertstal, wo die Bäche „untergehen“
Kurz vor Mirbach
Die Erlöserkirche in Mirbach
Prächtiger Altarraum
Weiden oberhalb des Lampertstals
Zwischen Mirbach und Alendorf
Klatschmohn am Wegesrand
Gipfelkreuz auf dem Kreuzweg am Kalvarienberg
Blick in die Eifel-Toskana vom Kalvarienberg bei Alendorf
Friedhofskapelle St. Agatha Alendorf
Schafweide oberhalb von Waldorf
Abstieg nach Waldorf
Am Rande der Bäche blüht immer irgendetwas
Nach der Trockenheit des Sommes führen die Bäche wenig Wasser
Ich beginne die neue Woche mit einer schönen 10 km Wanderung am südlichen Rand von Alsdorf nordöstlich von Aachen. Es geht zunächst durch das naturbelassene mittlere Broichbachtal, wo sich der Broicher Bach lieblich durch die Landschaft schlängelt.
Der Bach ist ein rechter Nebenfluss der Wurm, der in diesem Bereich mehrere kleine Seen aufstaut, darunter auch den Alsdorfer Weiher. In diesem Bereich befanden sich früher zahlreiche Wassermühlen, die zum Lebensunterhalt der Bevölkerung beitrugen.
Heute ist dort das Naherholungsgebiet Broichbachtal mit dem Tierpark Alsdorf angesiedelt, den ich im zweiten Teil meiner Wanderung durchstreife. Der kostenlos zugängliche Park ist ein beliebtes Ausflugsziel für Jung und Alt. Neben den Tiergehegen mit Dammwild, Eseln, Lamas, Emus, Waschbären und Erdmännchen gibt es dort auch vielfältige Spielmöglichkeiten für Kinder.
Die Freizeitanlage grenzt an die renaturierten Abraumhalden Anna und Noppenberg, denn ganz in der Nähe befand sich mehr als 130 Jahre lang die größte Steinkohlenzeche im Aachener Revier: die Grube Anna.
Ehemaliger Wasserturm der Zeche Anna
Unterhalb des Wurmtals erstreckt sich eine Steinkohlenschicht mit einer Mächtigkeit von bis zu 2.000 Metern, die in den 1840er Jahren entdeckt wurde. Der industrielle Abbau begann 1854.
Die Zeche wurde schnell zu einem der wichtigsten Arbeitgeber in der Region.1930 ereignete sich dort unter Tage das bislang größte Grubenunglück Westdeutschlands, bei dem 299 Bergleute starben. Anlässlich ihrer Beerdigung kamen mehr als 150.000 Menschen zusammen.
In den Hochzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg waren auf der Zeche mehr als 6.000 Menschen beschäftigt. Bis zu 2 Millionen Tonnen Steinkohle wurden pro Jahr gefördert.
Doch in den frühen 1980er Jahren endete die Epoche des Steinkohleabbaus im Aachener Revier. Zurück blieb ein riesiges Gelände, auf dem einige historische Gebäude der Zeche erhalten wurden. Der größte Teil der Fläche wurde in Freizeitanlagen, Wohnbebauung, einen Gewerbepark und ein Einkaufszentrum umgewandelt.
Wanderkarte der Tour
Alsdorfer Weiher
Wald im Broichbachtal
An den Hängen blüht die Heide
Verwunschene Teichlandschaft
Hof am Kellersberg
Auf den Hochflächen des Kellersbergs
Ernolungsgebiet Alsdorfer Weiher
Immer eine Attraktion: Die Erdmännchen im Tierpark
Deutsche Riesenrammler, bis zu 12 kg schwer
Eselfütterung im Freigehege
Der Chef vom Dammwild
Pekunia
Wasserflächen im Park
Burg Alsdorf in der Stadtmitte (Foto Sir Garwin | http://commons.wikimedia.org | Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE)
Das Seilscheibenfahrrad des Designers Jörg Bontenbroich
Blick von Haarberg über den Aachener Kessel zum Vaalser Berg mit dem Dreiländereck D/NL/B
Nach vielen heißen Tagen heute endlich wieder milde Temperaturen. Das nutze ich für eine kleine Wanderung am Ostrand von Aachen bzw. „Öcher“, wie man hier sagt. Ich starte am Marktplatz von Haaren, wo der Haarbach und die Wurm zusammenfließen. Dort überquerte einst die mittelalterliche Handels- und Heerstraße Via Regia die Wurm.
Heute gehört Haaren zu Aachen und liegt ein wenig eingezwängt im Tal des Haarbachs und der Wurm zwischen den Autobahnen A4 und A544. Vier Kilometerweiter westlich befindet sich das Zentrum von Aachen mit dem Aachener Dom.
Ich erreiche zunächst die Welche Mühle aus dem 15. Jahrhundert, heute die einzige Wassermühle im Stadtgebiet von Aachen, deren Mühlrad sich noch dreht. Weiter geht es flussaufwärts durch das Tal des Haarbachs.
Dort wird seit 2024 eine neue Autobahnbrücke über das Haarbachtal errichtet, nachdem die alte Brücke wegen Bauschäden abgerissen werden musste. Dann erfolgt der Aufstieg in den Aachener Stadtteil Verlautenheide, der zu Haaren gehört und an den Haarberg grenzt.
Ich steige auf bis zum höchsten Punkt des Berges, wo ein großes Gipfelkreuz einen wunderbaren Blick in den Aachener Kessel bietet. Am Horizont erkennt man den Vaalsberg auf der gegenüberliegenden Westseite des Talkessels. Dort befindet sich das Dreiländereck von Deutschland, Belgien und den Niederlanden.
Etwas unterhalb des Gipfels stoße ich auf die ganz in weiß gehaltene Friedenskapelle. Ihr Name soll an die Geschehnisse am Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern, als das Gebiet um den Haarberg besonders intensiv umkämpft war.
An der Kapelle beginnt mein Abstieg hinunter zum Marktplatzvon Haaren, den ich nach 100 Minuten und knapp sieben Wanderkilometern wieder erreiche. Ich bin in der letzten Zeit so viel gelaufen, dass mir die Strecke fast wie ein kleiner Spaziergang vorkommt. Aber macht nichts, war trotzdem schön.
Wanderkarte der Tour
Infotafel am Haarener Markt
Überquerung des Haarbachs
Mühlenteich an der Welche Mühle
Alte Welche Mühle
Das oberschlächtige Wasserrad mit Wasserzulauf
Neu errichtete Autobahnbrücke über das Haarbachtal
Friedenskappelle am Haarberg
Gipfelkreuz auf dem Haarberg
1938 zerstörter jüdischer Friedhof am Haarberg
Panoramablick vom Haarberg
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