Urban Art Biennale 2026

Urban Art Biennale 2026
Völklingen, 17. Juni 2026

Vortex-x, Transit der Erinnerung

Es ist wieder soweit: Alle zwei Jahre findet in der stillgelegten Völklinger Stahlhütte vor dem Hintergrund gewaltiger Industriearchitektur und rauchender Schlote die Urban Art Biennale mit Street Art, Graffiti und Urban Art statt. Es ist weltweit eine der größten Werkschauen dieser anarchischen Kunstform jenseits herkömmlicher White Cube-Ästhetik. Bei den letzten zwei Ausgaben war ich dabei, und auch diesmal habe ich den weiten Weg ins Saarland nicht gescheut. Es hat sich gelohnt.

Kurator Frank Krämer ist es erneut gelungen, Szenegrößen aus aller Welt nach Völklingen zu holen. Nachdem die beiden letzten Biennalen weit in den Völklinger Stadtraum ausgegriffen haben, liegt der Fokus 2026 räumlich und inhaltlich wieder stärker auf der Völklinger Hütte.

Mehr Arbeiten als je zuvor sind in situ speziell für ihren Ort in der Hütte entstanden. Zahlreiche Künstler:innen treten mit ihren Werken in direkten Dialog mit der Architektur und der Geschichte des ehemaligen Eisenwerks.

Der raue Charme der Möllerhalle oder der Sinteranlage treffen auf filigrane Stoffe und raumgreifende Installationen. NeSpoon spannt zwischen Sinteranlage und Möllerhalle ein fragiles Spinnennetz aus Häkeldeckchen, der Graffiti-Pionier Boris Tellegen, unter dem Künstlernamen DELTA für seine dreidimensional wirkenden Buchstaben bekannt, überführt seine Räumlichkeit in eine gigantische zweifarbige Holzskulptur. Es gibt wirklich viel zu sehen und zu bestaunen.

Mehr als drei Stunden war ich auf dem Gelände unterwegs und hatte am Ende das Gefühl, vielleicht doch noch nicht alles entdeckt zu haben. Eine wahrhaft bildgewaltige Inszenierung.

( Michael Tischer )