
Ausstellung vor dem Hintergrund der riesigen Völklinger Gebläsehalle, die hier wie eine Industriekathedrale inszeniert ist
Röntgenstrahlen durchdringen unsere Moderne auf ganz besondere Art und Weise: Durch sie erfahren wir Medizin, Politik, Geschichte, Kunst und Natur, ja selbst Geschlechterrollen neu. Wir blicken buchstäblich auf sonst verborgene Tiefenschichten unser selbst und unserer Umwelt – von den Molekülen unserer Körper bis hin zu den entferntesten Galaxien des Weltraums.

Die Schau blickt vom ersten Röntgenbild über historische Röntgengeräte der Medizin und Naturwissenschaften bis hin zum aktuellsten Röntgen-Satelliten der Weltraumforschung. Dabei werden insbesondere die kreativen Wechselwirkungen des Röntgenblicks in Kunst und Kulturgeschichte, Politik, Natur, Literatur und Architektur, Musik, Mode und Kino bildgewaltig in Szene gesetzt.
Ausgangspunkt des Erlebnisparcours ist der nachgestellte Versuchsaufbau, mit dem Wilhelm Conrad Röntgen vor 130 Jahren die neue, unbekannten Strahlung aufspürte, die er X-Strahlen taufte. Innerhalb weniger Wochen verbreitete sich die Nachricht von der bahnbrechenden Entdeckung wie ein Lauffeuer um den Erdball. Sie inspirierte nicht nur Wissenschaftler:innen, sondern auch bildende Künstler, Musiker, Filmemacher und Karikaturisten.
In der Ausstellung entfaltet sich ein vielfältiges Panorama der Moderne und der Gegenwart: Marie Curie trifft auf Claude Cahun, Frida Kahlo, Isa Genzken und Iris van Herpen; John Heartfield auf Edvard Munch, Mies van der Rohe, Thomas Mann und William Wegman.
X-RAY macht das Unsichtbare sichtbar und Kunst und Wissenschaft zum Erlebnis. Es ist alles ein wenig mehr Show, als im Deutschen Röntgen-Museum in der Röntgen-Heimatstadt Lennep (Bergisches Land), das ich vor wenigen Wochen besucht habe. Aber sehr unterhaltsam und mit viel Liebe zum Detail inszeniert. Ich glaube, jetzt habe auch ich voll den (Röntgen-) Durchblick. Schön wär’s auf jeden Fall.
