
Ein feines Buch, nur warum es das Pferd auf den Titel geschafft hat, wo es doch im Buch bestenfalls eine Nebenrolle spielt, hat sich mir nicht erschlossen
Vor lauter Studienmaterial komme ich gar nicht mehr dazu, Belletristik zu lesen. Muss aber ab und zu mal sein, sonst werde ich auf Dauer bekloppt, wie man bei uns im Rheinland sagt. Jetzt bot sich eine schöne Gelegenheit, als mein Schatz mir ein aktuelles Werk geschenkt hat, das derzeit viel Aufmerksamkeit erfährt: Lazar von dem jungen Schweizer Autor Nelio Biedermann.
Das Buch erzählt die Geschichte einer ungarischen Adelsfamilie über drei Generationen von der ausgehenden österreichischen Kaiserzeit bis zum Ungarn-Aufstand gegen den Kommunismus 1953. Die Geschichte spielt damit vor dem Hintergrund einer ereignisreichen Epoche und ist wirklich gut erzählt. Man liest das Buch gerne in wenigen Tagen „weg“.
Weithin gelobt wird das Werk auch, weil der 22-jährige Autor eine bemerkenswerte Lebenskunde an den Tag legt, die man von einem solch jungen Menschen kaum erwarten würde. Auch ich war darüber erstaunt, was sich im Nachgang – aber nur – ein klein wenig relativiert hat. Denn der Autor stammt selbst aus einer ehemals vermögenden ungarischen Adelsfamilie, die genau wie seine Romanhelden nach dem Ungarn-Aufstand in die Schweiz emigriert sind. Das Buch ist nicht autobiografisch, aber es steckt dann vielleicht doch ein gutes Stück eigener Familienerfahrungen drin. Ich habe die Lektüre auf jeden Fall sehr genossen, und noch einmal vielen Dank an Heike für die hervorragende Auswahl.
