
Weithin sichtbar: Der Turm von St. Peter uznd Paul, hier vom Marktplatz in Kranenberg
Ich finde es immer spannend, wenn in relativ kleinen Gemeinden übergroße Kirchen stehen. Da steckt dann meist etwas Besonders dahinter. So auch in der 11.000-Einwohner-Gemeinde Kranenburg am nördlichen Niederrhein bei Kleve.
Der Ort liegt nur wenige Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt. Mittlerweile sind fast ein Drittel der Einwohner Niederländer, die auch täglich zum Arbeiten in die Niederlande pendeln und ihre Kinder in niederländischen Gemeinden zur Schule schicken. Es sind die günstigeren Immobilienpreise und Lebenshaltungskosten in Deutschland, die die Familien zum Wohnen über die Grenze locken.Die enorm große Kirche im Ortszentrum ist St. Peter und Paul geweiht und offiziell die Wallfahrtskirche zum Wundertätigen Kreuz. Der Legende zufolge soll ein Hirte aus Kranenburg zu Ostern 1279 eine geweihte Hostie in einen Baum im nahegelegenen Reichswald fallen gelassen haben. Bei der Fällung dieses Baumes 1308 sei dann die Christusfigur am Kreuz gefunden und in der Kirche von Kranenburg aufgestellt worden, wo sie schnell zum Ziel zahlreicher Pilger wurde.

Pilgerpforte der Kirche
Historisch nachweisbar ist die Kreuzverehrung in Kranenburg seit dem Ende des 14. Jahrhunderts. Ihren Höhepunkt erreichte sie in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als die Spendengelder den Bau einer großen dreischiffigen Kirche ermöglichten, was dann auch meine Frage beantwortet, wie die große Kirche in den kleinen Ort kommt.
In der Frühen Neuzeit war die Kranenburger Wallfahrt besonders für Katholiken aus den protestantisch dominierten Niederlanden attraktiv. Auch die 1666 erschienene Geschichte der Kranenburger Kreuzverehrung des Stiftsdekans Johannes van Wanray in niederländischer Sprache verfasst, wie ich hier erfahre.
Die Wallfahrt gibt es bis heute und findet jährlich am ersten Sonntag nach Kreuzerhöhung (14. September) statt. Dann ziehen Pilger von nah und fern durch das große Pilgertor an der Frontseite der Kirche unter Gesang in die Kirche ein und feiern dort eine heilige Messe.
