
Udo Lindenberg, seit 30 Jahren ein ost-west-deutsches Gesamtkunstwerk
Udo Lindenberg gehört spätestens seit der Wiedervereinigung zum gesamtdeutschen Kulturgut. Anlässlich seines 80sten Geburtstags vor wenigen Tagen hat der Schlagzeuger, Sänger und Performer noch einmal sehr viel Anerkennung und mediale Aufmerksamkeit erfahren.
Neben seinen musikalischen Aktivitäten tritt Lindenberg seit den 1990er Jahren immer wieder als Maler in Erscheinung. 1996 hatte er seine erste Ausstellung, viele weitere sollten folgen. Gerne bezeichnet sich Lindenberg, der in Hamburg lebt, in diesem Zusammenhang als „Stricher aus St. Pauli“.
Im Dezember 2002 stellte er seinen Bilderzyklus „Die 10 Gebote“ in der Hamburger St.-Jacobi-Kirche aus. 2005 präsentierte das Haus der Geschichte in Bonn eine Ausstellung seiner Werke. Später begann die Zusammenarbeit mit den Galerien Walentowski, Werl, die ihn seitdem vertreten.Gerade läuft dort eine Ausstellung, die ein breites Spektrum Lindenbergs künstlerischer Arbeiten aus drei Jahrzehnten präsentiert, darunter auch die bekannten Likörelle. Das sind Aquarelle, die nicht mit klassischer Malfarbe, sondern mit unterschiedlich eingefärbten Likören gemalt wurden – eine selbstironische Anspielung auf Lindenbergs phasenweise zerstörerisches Verhältnis zum Alkohol und die Erkenntnis, dass Malen im Vergleich wohl die bessere Therapie für ihn sei.
Mir war nicht klar, dass Lindenberg in seinen Bildern vor allem sich selbst und seine Träume, Projekte und die Menschen thematisiert, die in seinem Leben eine Rolle spielen. Häufig tauchen in den Werken bekannte Claims wie „Keine Panik“, „Ich mach’ mein Ding“ oder „Alles klar auf der Andrea Doria“ auf, die man dank jahrzehntelanger Wiederholung sofort mit dem Künstler assoziiert.

Starfabrik, 2006
Lindenbergs Malstil ist bunt, plakativ, teilweise poetisch und immer freundlich positiv. Mich erinnert er stellenweise an Comic-Zeichnungen. Es könnten auch Illustrationen für die Booklets seiner CDs sein, habe ich bei dem ein oder anderen Werk gedacht. Aber vielleicht sind sie das ja auch.
Die aufgerufenen Preise machen deutlich, dass sich Lindenberg, zu einem Schwergewicht der deutschen Kulturszene entwickelt hat – oder einfach auf ziemlich großem Fuße lebt. Die Preise für gerahmte, handsignierte Serigrafien im Format A4+ mit Auflagen zwischen 200 oder 300 Exemplaren liegen um die 2.000 Euro.
Großformatige Werke erreichen gerne 20.000 Euro, selbst wenn es sich um wiederholte Leinwanddrucke handelt, die der Künstler lediglich „individualisiert“ hat, wie das ein wenig euphemistisch tituliert wird.
Echte Unikate liegen dann schon mal bei knapp 70.000 Euro. Dabei scheint mir der Name Lindenberg fast eine größere Rolle zu spielen, als die künstlerische Leistung. Aber so ist das im modernen Kunstbetrieb, von daher keine Kritik, sondern viel mehr ein Dankeschön, dass man diese spannende Werkschau bei Walentowski in Werl zu Gesicht bekommt.
