
Mein Blick aus dem Chirurgensessel
Puh, für jemanden, der nicht gerne zum Zahnarzt geht, sind 90 Minuten Kieferchirurgie schon nicht ohne. Ich wusste bereits länger, dass ein angebrochener Weisheitszahn im Oberkiefer entfernt werden muss, und nun habe ich es endlich machen lassen.
Allerdings hätte ich nicht mit einer so blutigen und stellenweise brutalen Aktion gerechnet – aber der Kieferchirurg anfangs wohl auch nicht. Auf halber Strecke der OP musste er noch einmal die Technik wechseln, weil die Zahnwurzel so komplex mit dem Kiefer verwachsen war und einfach nicht herauskommen wollte. Also Zahnfleisch aufschneiden, Kieferknochen freilegen und abhobeln. Dann an die Zahnwurzel heranarbeiten und diese mit grober physischer Kraft stückweise herausbrechen.
Natürlich war ich gut in Zahnfleisch und Gaumen sediert, aber mental habe ich die gesamte Prozedur nur einigermaßen überstanden, weil ich die ganze Zeit mit der Wiederholung meines Mantras beschäftigt war. Teilweise habe ich dadurch gar nicht schnell genug auf die Anweisungen des Arztes reagiert, weil ich mich so weg getrancet habe.
Hat das viele Meditieren in den letzten beiden Jahrzehnten also doch mal etwas gebracht, wie schön! Fünf Tage darf ich jetzt kein Sport und auch kein Yoga betreiben. Dafür ist die Wunde wohl zu groß und sie musste auch aufwändig vernäht werden. Aber egal, ich hab’s überstanden, und das bei vollem Bewusstsein.

Nur eines von mehreren mühevoll herausgebrochenen Zahnstücken
