
Deutsche Ausgabe erschienen im Dumont-Verlag, Köln
Erst habe ich zwei Jahre lang fast gar keine Belletristik an mich herangelassen, sondern nur noch Fachliteratur für mein Studium. Doch jetzt habe drei Romane des französischen „Skandalautors“ Michel Houellebecq hintereinander weggelesen. Hatte ich wohl etwas Nachholbedarf nach Fantasie statt Faktenwissen.
Diese Woche habe ich den vorerst letzten Houellebecq zu Ende gebracht, „Karte und Gebiet“ von 2010. Und mich gleich danach wieder ins Studium geworfen. Jetzt erst einmal keine Romane mehr, das habe ich mir fest vorgenommen. Sonst wird es mit der nächsten Semesterprüfung nichts.
„Karte und Gebiet“ ist ein gut gemachter und schön zu lesender Roman, der allerdings ein Houellebecq-typisches Element vermissen lässt: Den Skandal. Keine Pornografie, keine Subversion, keine ketzerischen Anklagen. Dafür ein ganz besonderer Kniff, den man vielleicht nur Schriftstellern mit der Bekanntheit und der Chuzpe eines Houellebecqs zutrauen möchte. Denn der Autor bringt sich unter eigenem Namen und als Erfolgsschriftsteller der Gegenwart selbst in den Plot ein.
Nicht als Hauptfigur, das ist der einzelgängerische Künstler Jed, sondern als wichtige Nebenfigur, die der Künstler für seine Bildreihe „Menschen und ihr Handwerk“ porträtiert. Es sind diese Portraits von einfachen Handwerkern bis zu Industrie-Ikonen wie Steve Jobs, die Jed den ganz großen kommerziellen Durchbruch bringen und Houellebecq einen schmerzhaft-blutigen Gewalttod. Inklusive seines Hundes.
Den spannend konstruierten Zusammenhang will ich hier gar nicht spoilern, doch eines kann ich verraten: Das Lesen lohnt sich. Jetzt für wenige Euros im Gebrauchtbuchhandel erhältlich: „Karte und Gebiet“ von Michel Houellebecq.
