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Let’s party – seit 1852

Let’s party – seit 1852
Düsseldorf, 27. März 2026

Die Ausstellung zeigt historische Exponate und aktuelle Arbeiten von Malkasten-Künstliern

Unter dem Titel „Dioniysisches Denken – Die Kunst der Feste“ erinnert der Düsseldorfer Künstlerverein Malkasten derzeit in einer Ausstellung an die rauschenden Feste, die er seit 1852 jeweils am Karnevalssamstag mit aufwändig gestalteten Festumzügen, Kostümen, Kulissen und Aufführungen veranstaltet hat.

Die historischen Malkasten-Redouten hatten jeweils ein bestimmtes Thema. Die Erste im Jahr 1852 stand unter dem Motto „Aschenbrödels Hochzeit“. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs fanden dieser Feiern in der Tonhalle, Düsseldorfs größtem Festsaal statt, der bis zu 2000 kostümierten Besuchern Platz bot.

Die Feste wurden jeweils als großes Gesamtkunstwerk inszeniert, mit Schauspielaufführungen vor phantasievoller Kulisse und einem Festumzug vor und nach der Veranstaltung. Der Erste Weltkrieg brachte eine Unterbrechung der Tradition, die man ab 1927 fortsetzte.

Doch da brachte der zunehmend konservativer und nationaler werdende Zeitgeist bereits Einschränkungen, die auch zu Friktionen innerhalb der Künstlergemeinschaft des Malkastens führte. Mehr als ein Drittel der Mitglieder trat damals unter Protest aus dem Verein aus. Unter den Nazis war dann schnell Schluss mit Lustig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltete man ab 1949 wieder regelmäßig die Redouten, doch die Festspieltradition mit Bühnendarbietungen nahm man nieder wieder auf. Bis zum Anfang der 1990er Jahre richtete der Malkastenverein jährlich eine Redoute aus.

In diesem Jahr 2026 wurde die ehrwürdige Tradition unter dem Motto „Multiversum“ erstmals wieder fortgesetzt, initiiert vom Künstler Alex Wissel und ausgestaltet vom Künstlerkollektiv FORT der Kunstakademie Kiel. Heike und ich hatten die Gelegenheit, bei dieser Party dabei zu sein, und es war wirklich ein tolles Erlebnis. Aber nie hätten wir gedacht, dass diese Tradition mehr als 170 Jahre zurückreicht. Von daher fand ich es sehr spannend, diese Hintergründe in der aktuellen Ausstellung im Malkasten erleben zu können.

( MITI )

Edith Oellers im Maxhaus

Edith Oellers im Maxhaus
Düsseldorf, 20. März 2026

Werk von Edith Oellers

Nicht immer sollte man sich vollkommen unkritisch auf ein erstes Urteil verlassen. Manchmal wird ein zweiter Blick belohnt, wie ich heute an mir selbst erlebt habe – beim Besuch der Kunstausstellung von Edith Oellers im Maxhaus, Düsseldorf.

Oellers Bilder zeigen Menschen in Alltagssituationen, naturalistisch gemalt, teilweise in Aquarell. Eigentlich repräsentieren derartige Motivwelten und der Malstil eher nicht meinen persönlichen Kunstgeschmack. Doch bald schon mischte sich ein leichtes Störgefühl in diese initiale Zurückweisung und schließlich wurde es zur Gewissheit: In den Kompositionen der ehemaligen Studentin der Kunstakademie Düsseldorf steckt weit mehr hinter einer auf den ersten Blick vielleicht harmlos-naiven, idealtypischen Fassade.

Edith Oellers im MaxhausOellers Werke verbindet eine Sphäre des Unbestimmbaren und Entrückten. Die abgebildeten Menschen erscheinen ruhig, oft in sich gekehrt, vor sich hinträumend oder in stille Tätigkeiten vertieft.

Auch wenn sich die Protagonisten physisch nahe sind, so bleiben sie doch bei sich, in ihrer eigenen Welten. Sie wirken der Zeit entrückt und ziehen den Betrachter hinein in diese besondere Sphäre, ohne sich näher mitzuteilen oder Erklärungen abzugeben. Und so ist es auch mit den dargestellten Orten.

Je länger man schaut, desto unergründlicher scheinen Oellers Bilder und desto heterogener wirkt ihre Malweise. Die in Düsseldorf ansässige Künstlerin erreicht das u. a. durch einen feinen Umgang mit Schärfe und Unschärfe, Nähe und Distanz, farblich pointierter Akzentuierung und ruhiger Ausweitung von Farbflächen.

Oft existiert in ihren Bildern eine zweite Ebene, die sich inhaltlich der vordergründigen Darstellung entzieht. Die zuvor aus der Distanz verspürte, etwas naiv wirkende „Idealität“ zerfällt. Und das gefällt mir alles richtig gut. Da habe ich mich bei meinem ersten Urteil wohl getäuscht.

( MITI )

Polit-Kunst der Siebziger

Polit-Kunst der Siebziger
Büttgen, 18. März 2026

Bilder von Peter Sorge

Manchmal mag ich Kunst mit starken Botschaften. So, wie die Serien von Peter Sorge (1937-2000) vom Ende der 1960er und den 1970er Jahren. Links „Auf dem Markt wird wieder scharf geschossen“, Mitte  „Gute Besserung für Andy“ und rechts „Wege zu Kraft und Schönheit (Black Power)“ seinerzeit alle erschienen als limitierte, handsignierte Druck-Auflage.

Sorge, der nach Kriegsende in Dortmund aufwuchs und von 1958 bis 1964 in West-Berlin Kunstpädagogik studierte, ist dem Kritischen Realismus zuzurechnen. Dieser aus der Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre hervorgegangene Stil zog besonders Künstler an, die sich als linksstehend betrachteten und ihre Arbeiten als Waffe im politischen Kampf verstanden.

Das Engagement dieser Künstler griff ab dem Ende der 1960er Jahre insbesondere Themen wie Krieg, Unterdrückung der Frau und Manipulation durch Politiker auf. Zur Darstellung wurden Fotomontagen, aggressive Farbgebung, Deformierungen und andere karikierende Elemente genutzt. Explizit grenzten sich führende Vertreter wie Hans-Peter Alvermann, Klaus Staeck oder Peter Sorge dabei vom sozialistischen Realismus ab, der in der DDR zur Staatskunst erhoben wurde.

Durch die geschickte Wahl von Ausschnitt und Vergrößerung zerrte Sorge in seinen Bildern Gesehenes mit der Präzision eines Fotoobjektivs in den Vordergrund und pointierte Situationen mittels Fotomontage auf teils aggressiv Weise. Seine Motive rahmte er mit Rechtecken, Farbbalken und Schriftzügen. Dadurch setzte er Ausrufezeichen, ähnlich der Berichterstattung in Illustrierten.

Ästhetisch verlockende und provokante Motive stellte er dabei nachdenklichen Inhalten gegenüber, wobei er sich gleichzeitig als Berichterstatter und Voyeur empfand. Doch im Gegensatz zu den Fotorealisten reproduzierte Sorge das fotografische Vorbild nicht, sondern porträtierte es. So entwickelte er einen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil, der auch heute nicht an Ausdrucksstärke eingebüßt hat.

( MITI )

Die zwei Foundations: Incarnate

Die zwei Foundations: Incarnate
NE-Holzheim, 14. März 2026

Lu Yang, DOKU: The Flow, 2023 – klassische asiatische Spiritualität trifft auf moderne Technologie

Die Ausstellung „Incarnate“ führt zwei der führenden privaten Kunstsammlungen Nordrhein-Westfalens zusammen: Videokunst aus der Julia Stoschek Collection trifft auf klassische japanische und asiatische Kunst aus der Sammlung Viktor und Marianne Langen.

Ausstellungsort ist das ikonische Museumsgebäude der Langen Foundation auf der früheren Raketenstation bei Neuss-Holzheim, dessen Außenmauern derzeit mit Tarnnetzen überzogen sind, um Solidarität mit der von Russland angegriffenen Ukraine zu zeigen.

Incarnate lädt die Besucher ein, zwischen materiellen und immateriellen Welten zu wandeln und Verbindungen zwischen spirituellen Fragen und medialen Ausdrucksformen zu entdecken. In den Begegnungen von religiöser Kunst und digitalen Avataren zeigt sich, wie überliefertes Wissen und zeitgenössische Ausdrucksformen miteinander in Beziehung treten.

Die Ausstellung macht eine überraschende Nähe zwischen den metaphysischen Fragestellungen des Buddhismus und den illusionistischen Strategien zeitgenössischer Videokunst sichtbar: hier das buddhistische Misstrauen gegenüber dem äußeren Schein zugunsten einer tieferen Wirklichkeitserfahrung, dort die ambivalente Auffassung der Videobildfläche als Fenster oder Schleier. Die Auswahl der Werke ist zudem inspiriert vom Wandel des Begriffs „Avatar“ – von seinen Ursprüngen in der östlichen Philosophie hin zu seiner heutigen Bedeutung in der digitalen Kultur.

Als Begriff in der Philosophie und Theologie steht Inkarnation für das Sichtbarwerden des Unsichtbaren, die Erscheinung des Geistigen in einer endlichen, materiellen Form. Begegnungen zwischen antiken, modernen und zeitgenössischen Kunstwerken symbolisieren eine wiederkehrende Schleife zwischen Form und Inhalt, wie auch in dem Herz-Sutra, dem vielleicht am häufigsten rezitierten Text in der gesamten Tradition des Mahayana-Buddhismus, zum Ausdruck kommt: Form ist Leere und Leere ist Form.

( MITI )

Gerhard Hoehme im MKM

Gerhard Hoehme im MKM
Duisburg, 11. März 2026

Eingang zur Ausstellung im Museum Küppersmühle, Duisburg

In einer frisch eröffneten Wechselaustellung präsentiert das Museum Küppersmühle rund 80 Arbeiten aus dem umfassenden Schaffenswerk von Gerhard Hoehme (1920-1989) , Künstler und Kunstprofessor an den Universitäten Düsseldorf und Gießen.

Hoehme zählt zu den richtungsweisenden Künstlern der Abstraktion und des Informel in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Er hat ein facettenreiches, experimentelles Werk am Übergang zwischen Malerei und Objektkunst geschaffen. Seine frühen Bilder sind tachistisch-lyrisch, und ab 1957 begann er, das konventionelle Bildformat zu verlassen und verschiedene plastisch-malerische Erscheinungsformen von Farbe zu erproben.

Ab 1965 entstanden erste Raumobjekte und -installationen mit Schnüren und Schläuchen aus Kunststoff. Die aus dem Bild heraus weisende Schnur wird zu einem essenziellen Ausdrucksmittel. Hoehme sah seine Werke als Energiefelder, die unmittelbare Verbindungen zwischen Raum und Betrachter herstellen. Seine poetischen, assoziativen Bildtitel steigern die Vielschichtigkeit seiner Arbeiten und verweisen auf den intensiven Austausch mit Literatur und Musik.

Gerhard Hoehme im MKM

Hoehme in seinem Atelier

Gerhard Hoehme setzte sich mit Geschichte, Politik und Mythos auseinander. Er war ein artiste engagé, dessen Einfluss weit über die rein formalen Aspekte seines Werkes hinausreichte. Als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf prägte er jüngere Künstler wie Sigmar Polke oder Chris Reinecke.

Zur Zeit der Studentenunruhen 1968 und der revolutionären Lehransätze von Joseph Beuys überdachte Gerhard Hoehme an der Kunstakademie Düsseldorf in zahlreichen Texten die Situation der Akademie und entwickelte Gedanken zu Reformen.

Das früheste Bild der Schau stammt von 1951, das späteste entstand 1988, ein Jahr vor Hoehmes Tod an seinem Wohnort Neuss. Die Schau ist auf besonderen Wunsch des MM-Stifterehepaars Sylvia und Ulrich Ströher zustande gekommen, wobei Ulrich Ströher im Herbst 2025 nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist.

( MITI )

German Pop Art

German Pop Art
Oberhausen, 10. März 2026

Titelbild zur Ausstellung: Bodo Boden, Whoom (Mondfähre), 1970

An der Zufahrtsstraße zum Konsumheiligtum „Centro Oberhausen“ liegt auch die Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen. Das Museum geht auf das Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig zurück, die bereits während ihres Studiums in den 1960er Jahren begannen, erste Werke zusammenzutragen. Heute sind es tausende von Objekten, die in der Stiftung Ludwig gebündelt sind, die mehrere Ludwiggalerien und Ludwigmuseen im Rheinland und darüber hinaus unterhält.

Der Stiftungsableger „Ludwiggalerie Oberhausen“ zeigt derzeit eine viel beachtete Schau, die sich der Druckgrafik aus den Siebzigern widmet, die man gemeinhin der Deutschen Pop Art zurechnet. Diese Sammlung geht auf den Düsseldorfer Rechtsanwalts Heinz Beck zurück und wird sonst im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum aufbewahrt. Die weit über 100 Werke machen deutlich, dass sich die German Pop Art im internationalen Vergleich nicht verstecken muss.

Neben Motiven des Alltags und der Konsumwelt sind die gezeigten Arbeiten von Künstler*innen wie Almut Heise, Bodo Boden, Peter Sorge, Gerno Bubenik, Klaus Staeck, Joseph Beuys oder Sigmar Polke, geprägt von Kritik am politischen Zeitgeist, Anti-Kriegs-Haltungen und Vergangenheitsbewältigung. Es handelt sich um Werke, die vielfach Bewegungen wie Fluxus, ZERO oder dem Kapitalistischem Realismus zugeordnet werden. In ihnen drückt sich der radikale Wille zu einer Demokratisierung der Kunst aus, das viele deutsche Künstler*innen dieser Zeit verfolgten. Indem sie sich der Druckgrafik, Auflagenkunst und Multiples bedienen, erreichten sie eine breite Öffentlichkeit – und heute wieder, mit dieser gelungenen Ausstellung.

( MITI )