So viel gut erhaltener Bergischer Barock aus dem späten 18. und dem 19. Jahrhundert wie in Lennep, trifft man selten an. Und da gibt es natürlich auch jede Menge ansehnliche Türen und Portalen zu bestaunen. Hier meine „Fundstellen“ aus Lennep, einer der vier früheren Hauptstädte des Bergischen Landes.
Perfektes Wanderwetter heute. Ich laufe eine schöne Runde im Bergischen Land an der Wuppertalsperre zwischen den Städten Remscheid, Radevormwald und Hückeswagen. Startpunkt ist die Dörperhöhe, kurz vor der einzigen offiziellen Badestelle und Marina an der Wuppertalsperre. Dort gibt es auch einen kostenlosen Womo-Stellplatz.
Unter ständigem Auf und Ab geht es zunächst ins Feldbachtal und anschließend quer zum Dörpetal hinunter zur Hangberger Mühle am Zusammenfluss von Mühlbach und Dörpe.
Wie viele Bäche in der Region, strebt auch die Dörpe der Wuppertalsperre zu, die zwischen 1960 und 1987 errichtet wurde und im Wesentlichen der Niedrigwassererhöhung, dem Hochwasserschutz der Wupper und der Wasserkrafterzeugung dient
Nach einem steilen Anstieg erreiche ich die hübsche Friedenskapelle am „Großen Berg“ mit Blick auf die Wuppertalsperre im Hintergrund. Ich bin kurz versucht, die Glocke am äußeren Glockenturm zu läuten, aber das lasse ich dann doch lieber.
Von dort geht es durch das Naturschutzgebiet Dörpetal hinunter zur Dörpetalsperre, die in die Wuppertalsperre mündet. Anschließend steige ich wieder zu meinem Startpunkt an der Dörperhöhe auf, den ich nach zwei Stunden und sieben Wanderkilometern wieder erreiche. Eigentlich war die Wanderung noch etwas länger geplant, doch ich bin nach einer intensiven Woche der Handwerkerei ein wenig schlapp in den Beinen. Reicht aber auch.
Wie erfüllendes doch manchmal sein kann, sich körperlich zu betätigen. Diese Woche haben wir zu zweit die Holzfassade meines Hauses gestrichen. Fünf Tage lang, jeweils sechs Stunden täglich. In luftiger Höhe, mit Leiter und Gerüst.
Fünfzig Liter Holzschutz-Farblasur hat die Boden-Deckel-Verschalung durstig aufgesaugt, damit sie weiterhin ansehnlich aussieht und gut geschützt ist. War ordentlich anstrengend und ein ganz schönes Gewackel, aber es ist ein gutes Gefühl, alles geschafft zu haben. Musste auch einfach mal wieder sein, fast acht Jahre nach dem letzten Anstrich.
Die Ausstellung sucht die Verbindung von Kunst und Floristik
Ui, ist hier was los. So voll erlebe ich den Düsseldorfer Kunstpalast an einem Wochentag eher selten und in der Regel auch nur, wenn es etwas ganz Besonderes zu sehen gibt. In Scharen strömen die Menschen zur Dritten Ausgabe des „Palastblühen“, das in diesem Jahr vom 17. bis zum 26. April stattfindet.
Viel Zeit bleibt also nicht, um die Sonderausstellung zu besuchen, die passend zum Frühlingsbeginn eine Verbindung zwischen Kunst und Floristik herzustellen versucht. Rund 30 Objekte aus der bekannten Sammlung des Kunstpalasts werden durch florale Kreationen ergänzt, die in einen Dialog mit den jeweiligen Bildern treten.
Seien es Parallelen in der Farbgestaltung von Bildern und Blumengestecken, eine überbordende Üppigkeit von Pflanzen und Bildmotiven, oder die Luftigkeit von hängenden Orchideen in einem besonders hohen Ausstellungsraum: acht renommierte Florist*innen sind der Einladung des Kunstpalastes gefolgt, sich mit der Sammlung auseinanderzusetzen und Interpretationen in Bezug auf Raum und Objekt zu entwickeln.
Orchideen in luftiger Höhe
Die floralen Installationen mit Echtblumen sind naturgemäß nur für kurze Zeit präsentabel und schaffen sowohl visuell als auch olfaktorisch besondere Sinneseindrücke. Offensichtlich hat sich das herumgesprochen, denn nach meinen Erinnerungen war der Andrang beim Palastblühen im letzten Jahr noch nicht ganz so groß.
Tatsächlich sind vergleichbare Präsentationsformate In den USA bereits in mehreren Museen etabliert. Doch in Deutschland ist der Kunstpalast das erste Museum, das mit einem Projekt dieser Größenordnung aufwartet.
Mich erinnert es auch ein wenig an die Rundgänge in der naheliegenden Düsseldorfer Kunstakademie zum Ende jedes Semesters. Dort werden die ausstellenden Studenten traditionell mit üppigen Blumensträußen voller exotischer Pflanzen beschenkt. Auch das fasziniert mich immer wieder aufs Neue.
Michel Houellebecq: Unterwerfung. Deutsche Ausgabe erschienen im Dumont Verlag
Serotonin, ein kontrovers diskutierter Roman von Michel Houellebecq aus dem Jahre 2019 hat mich so fasziniert, dass ich gleich ein zweites Werk des französischen Autors nachgelegt habe. Sein Roman „Unterwerfung“ aus dem Jahr 2015 ist Utopie, Gedankenexperiment und dystopische Satire, die im Jahr 2022 spielt.
Eine fiktive islamische Partei übernimmt darin friedlich die Macht in Frankreich. Sie tut dies mit Unterstützung etablierter Parteien, die einen sich abzeichnenden Sieg der Rechten in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen unbedingt verhindern wollen. Daraufhin islamisiert sich das Land unter seinem ersten muslimischen Präsidenten: Frauen verschwinden aus dem öffentlichen Raum, Polygamie wird eingeführt, und das Patriarchat kehrt zurück. Die berühmte Sorbonne wird wie viele andere Hochschulen eine islamische Universität.
Weil der Protagonist, der einsame und zu Zynismus neigende Literaturprofessor François, nicht zum Islam konvertieren will, muss er seine Universitätsstelle verlassen, ausgestattet mit einer prächtigen Pension, die wenig Anlass zu Widerstand gibt.
Der Roman beschreibt, wie der zunehmend gelangweilte François im Laufe der Zeit den Lockrufen des neuen Systems unterliegt. Nach und nach „unterwirft“ er sich aus Bequemlichkeit und Karrierismus der neuen, islamisch geprägten Gesellschaftsordnung. Er konvertiert, um seine Karriere an der Universität fortzusetzen.
Der Roman löste aufgrund seiner provokanten Darstellung heftige Debatten über Islamisierung, Identität und Freiheit nicht nur in Frankreich aus. Tatsächlich kritisiert der Roman weniger den Islam, dessen Protagonisten sehr gebildet, kultiviert und moderat daherkommen, als vielmehr die Dekadenz, den Werteverfall und die Sinnsuche in der westlichen Welt. Der Titel bezieht sich auf die wörtliche Bedeutung von Islam, ein Wort, das die Hingabe bzw. Unterwerfung unter den einen Gott beschreibt: Allah.
Im Hinblick auf die Geschicke, Erlebnisse und Gefühlslagen des Protagonisten kommt „Unterwerfung“ nicht ganz so krass daher, wie „Serotonin“, finde ich. Der Roman thematisiert aber denkbare Entwicklungen unserer Zeit. Das macht ihn in meinen Augen spannend und lesenswert.
In Frankreich wurde die Aufmerksamkeit für dieses Werk auch dadurch stark befeuert, dass der Tag der Romanveröffentlichung just mit dem des islamistischen Anschlags auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ zusammenfiel.
In der damals aktuellen Ausgabe des Satiremagazins wurde Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ vom Chefredakteur positiv rezensiert, und eine Karikatur des Schriftstellers war auf dem Titelblatt zu sehen. Das hat Houllebeqs Ruf eines Autors, der die Zeichen der Zeit zu lesen vermag, massiv befördert.
Hier kommt der zweite Beitrag zu meinem Messebesuch der Art Düsseldorf am vergangenen Wochenende. Erneut ist die Messe nach vier Tagen mit einem Besucherrekord zu Ende gegangen. Und dies hier waren meine weiteren Favoriten aus dem diesjährigen Ausstellungsprogramm.
Antonio Saura, Saeta, 1957
Chloé Sai Brail-Dupont, Jumping into the sea while becoming liquid, 2025
Anna Strüeli, Manicure, 2024
Bernd Koberling, Momentane Vision 57, 2025
Christian Achenbach, Tagometrie, 2026
Sven Kroner, Neue Sachlichkeit, 2026
Daniel Rich, Meisterhaus Kandinski Dessau, 2025
Leif Trenkler, Hotel International, 2022
Louis Wessendorff, Coffin Nail, 2026
Manolo Valdes, Ocher Butterflies, 2025
Janina Roider, Golden Mirage, 2024
Werk von Jörn Stoya
Navid Mashouf, My cityscape, 2022
Alicia Viebrock, Lamia, 2026
Jan Albers, TwinTwister, 2025
Karin Kneffel, Ohne Titel, 2025
Jana Schröder, FRONTRACK PSY LaVa L4, 2024
Erik Schmidt, Water Colors, 2024
Cornelius Völker, Folie, 2026
Werk von Kolomann Wagner
Daniel Man, Neue Territorien, 2026
Daniel Rich, Books, 2026
Karin Kneffel, Trauben, 2005
Christian Jankowski, Hooping Guggenheim, 2025
Alexander Iskin, Arribada, 2025
Jenny Michel, Map Mutatations – Kansas, 2024
Werk von Daniel Richter
Keiichi Tanaami, collage book 7_56, 1971
Gerhard Hoehme, um her, 1964
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