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Palastblühen im Kunstpalast Dusi

Palastblühen im Kunstpalast Dusi
Düsseldorf, 23. April 2026

Die Ausstellung sucht die Verbindung von Kunst und Floristik

Ui, ist hier was los. So voll erlebe ich den Düsseldorfer Kunstpalast an einem Wochentag eher selten und in der Regel auch nur, wenn es etwas ganz Besonderes zu sehen gibt. In Scharen strömen die Menschen zur Dritten Ausgabe des „Palastblühen“, das in diesem Jahr vom 17. bis zum 26. April stattfindet.

Viel Zeit bleibt also nicht, um die Sonderausstellung zu besuchen, die passend zum Frühlingsbeginn eine Verbindung zwischen Kunst und Floristik herzustellen versucht. Rund 30 Objekte aus der bekannten Sammlung des Kunstpalasts werden durch florale Kreationen ergänzt, die in einen Dialog mit den jeweiligen Bildern treten.

Seien es Parallelen in der Farbgestaltung von Bildern und Blumengestecken, eine überbordende Üppigkeit von Pflanzen und Bildmotiven, oder die Luftigkeit von hängenden Orchideen in einem besonders hohen Ausstellungsraum: acht renommierte Florist*innen sind der Einladung des Kunstpalastes gefolgt, sich mit der Sammlung auseinanderzusetzen und Interpretationen in Bezug auf Raum und Objekt zu entwickeln.

Palastblühen im Kunstpalast Dusi

Orchideen in luftiger Höhe

Die floralen Installationen mit Echtblumen sind naturgemäß nur für kurze Zeit präsentabel und schaffen sowohl visuell als auch olfaktorisch besondere Sinneseindrücke. Offensichtlich hat sich das herumgesprochen, denn nach meinen Erinnerungen war der Andrang beim Palastblühen im letzten Jahr noch nicht ganz so groß.

Tatsächlich sind vergleichbare Präsentationsformate In den USA bereits in mehreren Museen etabliert. Doch in Deutschland ist der Kunstpalast das erste Museum, das mit einem Projekt dieser Größenordnung aufwartet.

Mich erinnert es auch ein wenig an die Rundgänge in der naheliegenden Düsseldorfer Kunstakademie zum Ende jedes Semesters. Dort werden die ausstellenden Studenten traditionell mit üppigen Blumensträußen voller exotischer Pflanzen beschenkt. Auch das fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

( MITI )

Art Düsseldorf 2026, Teil II

Art Düsseldorf 2026, Teil II
Düsseldorf, 21. April 2026

Ariel Cabrera Montejo, Los Suenos Del Poder, 2025

Hier kommt der zweite Beitrag zu meinem Messebesuch der Art Düsseldorf am vergangenen Wochenende. Erneut ist die Messe nach vier Tagen mit einem Besucherrekord zu Ende gegangen. Und dies hier waren meine weiteren Favoriten aus dem diesjährigen Ausstellungsprogramm. 

( MITI )

Art Düsseldorf 2026, Teil I

Art Düsseldorf 2026, Teil I
Düsseldorf, 17. April 2026

Toni Mauersberg, Eurotrance, 2026

Zum achten Mal öffnet in diesen Tagen die Art Düsseldorf ihre Pforten. In den ehemaligen Industriehallen des Böhler Areals an der Stadtgrenze zwischen Düsseldorf und Meerbusch zeigen in diesem Jahr 130 Galerien aus Deutschland und dem nahen Ausland vor allem junge, zeitgenössische Kunst.

Anfangs von der großen Art Cologne belächelt, hat sich die Art Düsseldorf längst etabliert. Und die Messe wächst, auch in für den Kunstmarkt herausfordernden Zeiten.

Bei meinem Messebesuch heute haben mich auf jeden Fall deutlich mehr Werke angesprochen, als auf der Art Cologne im vergangenen Herbst. Viele der interessanten Arbeiten stammen aus den Jahren 2024 und 2025, manches sogar aus 2026, ist also ganz „frisch“.

Kunstler:innen wie Jenny Michel, Sarah Schumann, Sven Kroner oder Tshepiso Moropa  sind mir hier zum ersten Mal begegnet. Alle mit Werken, für die ich mich sehr begeistern kann. Aber auch vertraute Künstler aus der Region sind erneut vertreten, etwa Cornelius Völker, Karin Kneffel oder Anys Reimann.

Hier eine Auswahl der Werke, die mir bei meinem dreistündigen Messebesuch am besten gefallen haben. Weitere folgen in der kommenden Woche in Teil 2 von „Art Düsseldorf 2026“.

( MITI )

Let’s party – seit 1852

Let’s party – seit 1852
Düsseldorf, 27. März 2026

Die Ausstellung zeigt historische Exponate und aktuelle Arbeiten von Malkasten-Künstliern

Unter dem Titel „Dioniysisches Denken – Die Kunst der Feste“ erinnert der Düsseldorfer Künstlerverein Malkasten derzeit in einer Ausstellung an die rauschenden Feste, die er seit 1852 jeweils am Karnevalssamstag mit aufwändig gestalteten Festumzügen, Kostümen, Kulissen und Aufführungen veranstaltet hat.

Die historischen Malkasten-Redouten hatten jeweils ein bestimmtes Thema. Die Erste im Jahr 1852 stand unter dem Motto „Aschenbrödels Hochzeit“. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs fanden dieser Feiern in der Tonhalle, Düsseldorfs größtem Festsaal statt, der bis zu 2000 kostümierten Besuchern Platz bot.

Die Feste wurden jeweils als großes Gesamtkunstwerk inszeniert, mit Schauspielaufführungen vor phantasievoller Kulisse und einem Festumzug vor und nach der Veranstaltung. Der Erste Weltkrieg brachte eine Unterbrechung der Tradition, die man ab 1927 fortsetzte.

Doch da brachte der zunehmend konservativer und nationaler werdende Zeitgeist bereits Einschränkungen, die auch zu Friktionen innerhalb der Künstlergemeinschaft des Malkastens führte. Mehr als ein Drittel der Mitglieder trat damals unter Protest aus dem Verein aus. Unter den Nazis war dann schnell Schluss mit Lustig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltete man ab 1949 wieder regelmäßig die Redouten, doch die Festspieltradition mit Bühnendarbietungen nahm man nieder wieder auf. Bis zum Anfang der 1990er Jahre richtete der Malkastenverein jährlich eine Redoute aus.

In diesem Jahr 2026 wurde die ehrwürdige Tradition unter dem Motto „Multiversum“ erstmals wieder fortgesetzt, initiiert vom Künstler Alex Wissel und ausgestaltet vom Künstlerkollektiv FORT der Kunstakademie Kiel. Heike und ich hatten die Gelegenheit, bei dieser Party dabei zu sein, und es war wirklich ein tolles Erlebnis. Aber nie hätten wir gedacht, dass diese Tradition mehr als 170 Jahre zurückreicht. Von daher fand ich es sehr spannend, diese Hintergründe in der aktuellen Ausstellung im Malkasten erleben zu können.

( MITI )

Edith Oellers im Maxhaus

Edith Oellers im Maxhaus
Düsseldorf, 20. März 2026

Werk von Edith Oellers

Nicht immer sollte man sich vollkommen unkritisch auf ein erstes Urteil verlassen. Manchmal wird ein zweiter Blick belohnt, wie ich heute an mir selbst erlebt habe – beim Besuch der Kunstausstellung von Edith Oellers im Maxhaus, Düsseldorf.

Oellers Bilder zeigen Menschen in Alltagssituationen, naturalistisch gemalt, teilweise in Aquarell. Eigentlich repräsentieren derartige Motivwelten und der Malstil eher nicht meinen persönlichen Kunstgeschmack. Doch bald schon mischte sich ein leichtes Störgefühl in diese initiale Zurückweisung und schließlich wurde es zur Gewissheit: In den Kompositionen der ehemaligen Studentin der Kunstakademie Düsseldorf steckt weit mehr hinter einer auf den ersten Blick vielleicht harmlos-naiven, idealtypischen Fassade.

Edith Oellers im MaxhausOellers Werke verbindet eine Sphäre des Unbestimmbaren und Entrückten. Die abgebildeten Menschen erscheinen ruhig, oft in sich gekehrt, vor sich hinträumend oder in stille Tätigkeiten vertieft.

Auch wenn sich die Protagonisten physisch nahe sind, so bleiben sie doch bei sich, in ihrer eigenen Welten. Sie wirken der Zeit entrückt und ziehen den Betrachter hinein in diese besondere Sphäre, ohne sich näher mitzuteilen oder Erklärungen abzugeben. Und so ist es auch mit den dargestellten Orten.

Je länger man schaut, desto unergründlicher scheinen Oellers Bilder und desto heterogener wirkt ihre Malweise. Die in Düsseldorf ansässige Künstlerin erreicht das u. a. durch einen feinen Umgang mit Schärfe und Unschärfe, Nähe und Distanz, farblich pointierter Akzentuierung und ruhiger Ausweitung von Farbflächen.

Oft existiert in ihren Bildern eine zweite Ebene, die sich inhaltlich der vordergründigen Darstellung entzieht. Die zuvor aus der Distanz verspürte, etwas naiv wirkende „Idealität“ zerfällt. Und das gefällt mir alles richtig gut. Da habe ich mich bei meinem ersten Urteil wohl getäuscht.

( MITI )

Polit-Kunst der Siebziger

Polit-Kunst der Siebziger
Büttgen, 18. März 2026

Bilder von Peter Sorge

Manchmal mag ich Kunst mit starken Botschaften. So, wie die Serien von Peter Sorge (1937-2000) vom Ende der 1960er und den 1970er Jahren. Links „Auf dem Markt wird wieder scharf geschossen“, Mitte  „Gute Besserung für Andy“ und rechts „Wege zu Kraft und Schönheit (Black Power)“ seinerzeit alle erschienen als limitierte, handsignierte Druck-Auflage.

Sorge, der nach Kriegsende in Dortmund aufwuchs und von 1958 bis 1964 in West-Berlin Kunstpädagogik studierte, ist dem Kritischen Realismus zuzurechnen. Dieser aus der Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre hervorgegangene Stil zog besonders Künstler an, die sich als linksstehend betrachteten und ihre Arbeiten als Waffe im politischen Kampf verstanden.

Das Engagement dieser Künstler griff ab dem Ende der 1960er Jahre insbesondere Themen wie Krieg, Unterdrückung der Frau und Manipulation durch Politiker auf. Zur Darstellung wurden Fotomontagen, aggressive Farbgebung, Deformierungen und andere karikierende Elemente genutzt. Explizit grenzten sich führende Vertreter wie Hans-Peter Alvermann, Klaus Staeck oder Peter Sorge dabei vom sozialistischen Realismus ab, der in der DDR zur Staatskunst erhoben wurde.

Durch die geschickte Wahl von Ausschnitt und Vergrößerung zerrte Sorge in seinen Bildern Gesehenes mit der Präzision eines Fotoobjektivs in den Vordergrund und pointierte Situationen mittels Fotomontage auf teils aggressiv Weise. Seine Motive rahmte er mit Rechtecken, Farbbalken und Schriftzügen. Dadurch setzte er Ausrufezeichen, ähnlich der Berichterstattung in Illustrierten.

Ästhetisch verlockende und provokante Motive stellte er dabei nachdenklichen Inhalten gegenüber, wobei er sich gleichzeitig als Berichterstatter und Voyeur empfand. Doch im Gegensatz zu den Fotorealisten reproduzierte Sorge das fotografische Vorbild nicht, sondern porträtierte es. So entwickelte er einen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil, der auch heute nicht an Ausdrucksstärke eingebüßt hat.

( MITI )